Full text : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

94  I.  Abh.  Erster  Abschnitt.  Sechstes  Kapitel.
von  heftiger  Brunst  herkäme?  Ob  nun  gleich  diese
Frage  bestimt  zu  beantworten,  fast  kein  andrer  Weg
übrig  zu  sein  scheint,  als  in  den  Körper  des  Thieres
hinein  zu  kriechen,  oder  sich  vielmehr  in  das  Thier  selbst
zu  verwandeln,  so  bin  ich  doch  der  Meinung,  daß  des
Männgens  Eifer  in  der  Begattung  nicht  sowohl  Wirkung ¬
  einer  Unempfindlichkeit,  als  vielmehr  eines  feurigen ¬
  Naturtriebes  sei,  der  dieses  Thier  unempfindlich
gegen  Hunger,  und  gegen  die  ihm  drohenden  Gefahren ¬
  macht.  Diese  Thiere  scheinen  mir  keiner  so  großen ¬
  Unempfindlichkeit  fähig  zu  sein,  indem  sie  sonst
einen  hohen  Grad  von  Reizbarkeit  und  sinnlichem  Gefühl =
  zeigen,  und  den  Schmerz,  welchen  die,  während
der  Begattung  ihnen  zugefügten  Wunden  verursachen,
durch  Zukkungen  sehr  deutlich  verrathen.
Siebende  Bemerkung.
§.  101.
Swammerdam  äußert  in  seiner  ZeugungsGeschichte ¬
  der  Frösche  die  Meinung,  daß  die  Eier  aus
den  Cierstökken,  nicht  unmittelbar  in  die  Röhren  derselben ¬
  ihren  Weg  nähmen,  sondern  sogleich  geradezu  in
den  Unterleib  gingen:  er  stützet  sich  hiebei  auf  die  Beobachtung, ¬
  daß  bei  einem  Frosche,  den  er  zergliederte,
die  Eier  zum  Theil  im  Eierstokke,  zum  Theil  im  Unterleibe ¬
  befindlich;  andre  hingegen  noch  in  den  Röhren ¬
  und  in  der  Gebärmutter  enthalten  waren.  Rösel
führt  das  Beispiel  eines  Frosches,  den  er  den  braunen ¬
  Erdfrosch  nent,  an,  bei  dessen  Weibgen  er
die  Eier  in  dem  Unterleibe  gefunden  haben  will:  indessen ¬
  läßt  er  doch  Swammerdams  Muthmaßung
unent¬
            
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