Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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selbst  angenommen  haben,  und  daß  wir  dem  zu  Folge =
  von  andern  Menschen  behaupten,  sie  haben  keine =
  Grundsäze,  wenn  sie  die  unsrigen  nicht  annehmen ¬
  wollen.  Versteht  man  unter  Prinzipien  allgemeine ¬
  Säze,  die  man  zur  Noth  auf  besondere
Fälle  anwenden  kann;  wo  ist  da  ein  Mensch,  der
nicht  Grundsäze  haben  sollte?  Aber,  was  ist  auch
dabey  verdienstliches,  wenn  man  dergleichen =
  Prinzipien  /  hat?  Es  sind  ja  schwankende  Maximen =
  /  bey  denen  einen  gar  nichts  die  richtige  Anwendung =
  derselben  lehrt.  Rühmt  man  von  einem =
  Menschen  den  Besiz  von  dergleichen  Grundsäzen; =
  so  sagt  man  im  Grund  so  viel,  er  ist  nicht
vermögend  bestimmte  Jdeen  von  dem,  was  er
denkt,  zu  haben.  Soll  man  also  Prinzipien  haben: ¬
  so  heißt  das  nicht  so  viel,  daß  man  bey  ihnen =
  anfangen  müsse,  um  sodann  auf  Kenntnisse
herunter  zu  steigen,  die  weniger  allgemein  sind;
sondern  es  heißt  so  viel,  man  müsse  die  partikulären =
  Wahrheiten  gehörig  studirt,  und  sich  von
Abstraktion  zu  Abstraktionen  bis  zu  allgemeinen
Säzen  emporgeschwungen  haben.  Diese  Arten
von  Prinzipien  sind  durch  die  besondern  Kenntnisse,
die  zu  ihnen  geführt  haben,  bestimmt.  Jn  ihnen
liegt  der  ganze  Umfang,  den  sie  einschließen,  und
man  kann  sich  von  ihrer  Wahrheit  dadurch  versichern, =
  daß  man  sie  beständig  richtig  anwendet.  Von
einem  Menschen  den  Besiz  von  dergleichen  Prinzipien =
  rühmen,  heißt  anzeigen,  er  kenne  die  Künste
und  die  Wissenschaften  vollkommen,  mit  denen  er
sich  beschäftiget,  und  er  denke  durchgängig  bestimmt
und  deutlich.
            
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