83
fele. Das machte die Leute glauben, diese Säze
seyen die ächte Quelle unsrer Kenntnisse.
Man
gab ihnen daher den Namen der Prinzipien; und
nun wurd es, und es ist auch noch ein allgemein
gangbares Vorurtheil, daß man nur aus Prinzipien ¬
räsonniren dürfe 7). Diejenigen, die neue
Wahrheiten erfanden, glaubten ein Geheimniß
aus der Methode, die sie befolgt hatten, machen
zu müssen, um dadurch den Leuten eine um so viel
größere Jdee von ihrem Scharffinn zu geben. Sie
begnügten sich die neu entdeckten Wahrheiten aus
den allgemein angenommenen Grundsäzen herzuleiten; =
und das Vorurtheil, welches sich immer
stärker einnistelte, erzeugte unzählig viele Systeme.
§. 63. Jn der Synthese leuchtet die Unnüzheit
und der Mißbrauch der Grundsäze am meisten hervor.
Bey dieser Methode scheint die Wahrheit sich nicht
zeigen zu dürfen, wofern man ihr nicht eine große
Anzahl von Axiomen, Definitionen und von andern
angeblich fruchtbaren Säzen vorangeschickt hat.
Die Evidenz der mathematischen Demonstrationen,
und der Beyfall, den alle Gelehrte dieser Art zu
schließen, geben, könnten meine Leser schon allein
überreden, daß ich einen unhaltbaren paradoren
Saz=behaupte. Allein es läßt sich ja leicht zeigen, ¬
daß die mathematischen Wissenschaften ihre
*) Jch verstehe hier unter Prinzipien nicht solche Beobachtungen, =
die von der Erfahrung bestätigt werden.
Ich nehme das Wort in der bey den Philosophen
gewöhnlichen Bedeutung, die diejenigen allgemeinen und
abgezogenen Säze Prinzipien nennen, worauf sie ihre
Systeme bauen.