Full text : Deutsche Rechtsalterthümer (2)

verbrechen.  strafe.  an  leib.
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des  deutsch.  ordens  p.  229  von  den  beim  diebstal  begriffenen
knechten:  unde  alle  lie  fint  geflagen,  so  fal  man  sie  fmiren
unde  falben  mit  honige  unz  an  den  mitten  tac,  dar  nach  sal
man  lie  legen  in  die  prelume  unz  an  den  dritten  funnentac  unde
des  dritten  funnentages  nach  der  iulte  sol  man  sie  uzze  deme
hove  werfen.
B.  Leibesstrafen,
die  bloß  leib  und  glieder  verletzen,  verwunden,  verstümmeln
oder  zulammenziehen  und  belasten  (wie  feßeln),  aber  nicht  das
leben  nehmen;  geringlter  grad  ist  geifeln  und  haarabschneiden,
wovon  es  in  allgemeiner  formel  heißt:  die  strafe  geht  zu  haut
und  haar,  richten  to  hut  u.  to  hare.  Ssp.  2,  13;  [ze  hûte  u.  ze
hâre.  fragm.  32°  ;  huid  ende  haer  strafe.  Kilian  f.  v.;  (hût  u.
här  abeslän.  Berth.  62.  [Kchr.  14827;  hut  u.  har  abe  schern
zweier  vinger  breit.  Freib.  urk.  nr.  24  (a.  1275);  behiuten  u.
behären.  Ben.  332;  wê  ir  hiuten  u.  ir  hären!  Walth.  24,  13;)
schern  und  villen  (tondere  et  verberare).  [MS.  1,  81e.  Rother
4314.  Renner  18233;  fi  quis  furtum  fecerit,  corium  fuum  et
pilos  redimat.  Kindl.  hörigk.  p.  231  (a.  1109);  fervilis  persona
pilos  perdat  cum  corio.  Schöpflin  nr.  160  (a.  977).
Härter  ist
das  abschneiden  einzelner  glieder.
1.  Scheren.  Wie  sehr  auf  den  schmuck  des  haars  und
der  locken  geachtet  wurde,  hat  das  erste  buch  gewiesen  (l.  239.
283.  339).  Es  galt  für  schimpf  und  muste  gebüßt  werden,  wer
einem  nur  an  locken  oder  bart  griff,  weit  schwerer,  wer  lie  abschnitt, ¬
  vgl.  lex  Burg.  add.  1,  5  [921.  Doch  nicht  in  allen  fällen
war  es  ehrenrührig,  eine  locke  zu  verlieren,  dahin  gehört  das
fymbolische  scheren  (oben  f  146)  und  haar  ausreißen,  zeugen
zur  erinnerung  wurde  ein  wenig  haar  ausgerupft,  wie  das  ohr
gezupft:  puero  capillos  paulisper  exculfit.  charta  a.  1122  (zu
Saumur),  Carpentier  1,  788;  die  frau  bricht  dem  ritter  heimlich
eine  locke  aus.  Tieks  Lichtenstein  p.  17.  Beispiele  der  strafe:
jullit  tonderi  comam  capitis  ejus.  Gregor.  turon.  6,  24;  dimidio
capite  tonderi,  poena  fervorum  et  latronum.  capit.  a.  809  cap.  11
[MG  Capitularia  I  p.  150;  tondere  in  crucem,  in  modum  furis.
ch.  a.  1273.  Carpentier  f.  h.  v.;  der  locke  u.  der  hâre  stümmeln.
Diut.  1,  458;  Tehbrecherinnen  werden  die  haare  abgeschnitten.

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