fullscreen : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

62
Ich  muß  inbessen  anmerken,  daß  dieses  nur  dann
zutreffen  wird,  wenn  ihm  irgend  eine  äußere  Ursache =
  dieses  Objekt  vor  die  Augen  ruckt.  Denn  ist
dieses  Objekt  abwesend:  so  hat  der  Mensch,  so
wie  ich  ihn  vorausseze,  kein  Mittel,  womit  er  sich
dasselbe  eigenmächtig  von  selbst  zurückrufen  könnte: =
  eben  weil  er  keines  von  den  Dingen  nach  seiner ¬
  Willkühr  gebrauchen  kann,  mit  welchen  der
Gegenstand  etwa  verknůpft  seyn  könnte.  Es
hängt  also  nicht  von  ihm  ab,  daß  er  die  Idee
aufweckt,  die  daran  angeknüpft  ist;  und  folglich
steht  auch  die  Ausübung  der  Einbildungskraft  noch
nicht  in  seiner  Gewalt.
§.  38.  Was  die  natürlichen  Laute  betrift:  so
wird  sie  dieser  Mensch  sogleich  hervorbringen,  sobald =
  er  dergleichen  Empfindungen  hat,  wodurch
diese  Laute  herausgepreßt  werden.  Allein,  in
Rücksicht  auf  ihn,  werden  sie  nur  zum  erstenmal,
und  dann  nicht  wieder,  Zeichen  seyn;  weil  sie,
statt  ihm  Perzeptionen  wieder  aufzuwecken,  bloße
Folgen  derselben  seyn  werden.
Wenn  er  dieselbige  Empfindung  oft  gehabt,
und  wenn  er  eben  so  oft  den  Laut  von  sich  gegeben =
  hat,  der  jene  Empfindung  natürlicher  Weise
begleiten  muß:  so  werden  sich  Laut  und  Empfindung =
  so  genau  in  seiner  Imagination  mit  einander ¬
  verbinden,  daß  er  in  der  Folge  den  Laut  nicht
wieder  hören  wird,  er  habe  denn  auch  einigermaaßen ¬
  die  Empfindung  dabey.  Alsdenn  wird
dieser  Laut  ein  Zeichen  seyn.  Allein  die  Einbildungskraft ¬
  dieses  Menschen  wird  dabey  nie  geübt
werden;  der  Zufall  mache  es  denn,  daß  er  den
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer