Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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und  er  würde  daher  ein  Narr  seyn.  Der  zweyte
hingegen  würde  zu  viel  Gedächtniß  und  zu  viel
Imagination  haben;  dieses  Ueberflüßige  würde
beynahe  denselbigen  Effekt  hervorbringen,  den  die
gänzliche  Beraubung  eines  von  beyden  Vermögen
erzeugen  kann.  Er  würde  den  Gebrauch  seiner
Reflexion  schwerlich  haben:  er  würde  toll  seyn.
Da  sich  die  allerungleichartigsten  Ideen  in  seiner
Seele  sehr  genau  mit  einander  verküttet  haben,
und  zwar  blos  dadurch,  daß  er  sie  zusammengedacht =
  hat:  so  hält  er  sie  für  Ideen,  die  ganz  natürlich ¬
  mit  einander  verbunden  sind,  und  er  reihet
sie,  als  richtige  Schlußfolgen,  an  einander  an.
Es  ließe  sich  zwischen  diesen  beyden  äußersten
Gränzen  ein  Mittel  denken,  wobey  eine  zu  starke
Einbildungskraft,  und  ein  zu  starkes  Gedächtniß
der  Gründlichkeit  des  Verstandes  nicht  schaden,
und  wobey  der  zu  geringe  Grad  derselben  ihren
Annehmlichkeiten  keinen  Abbruch  thun  würde.
Vielleicht  ist  aber  dieser  mittlere  Grad  so  ungewöhnlich, ¬
  daß  sich  ihm  die  größten  Genies  nur
einigermaßen  genähert  haben.  Nachdem  sich  verschiedene =
  Denker  von  diesem  Mittel  entfernen,  und
nach  den  äußersten  entgegengesezten  Gränzen  hinhangen, ¬
  nachdem  haben  sie  Eigenschaften,  die  mehr
oder  weniger  mit  einander  unverträglich  sind;  weil
sie  mehr  oder  weniger  von  den  äußersten  Punkten
haben  müssen,  die  einander  völlig  ausschließen.
Diejenigen  also,  die  sich  der  Extremität  nähern,
wo  die  Einbildungskraft  und  das  Gedächtniß  die
Oberhand  haben,  verliert  verhältnißmäßig  dieje¬
            
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