fullscreen : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

51.
gination  sind,  mit  den  andern  Erschütterungen
zur  Ursache,  die  uns  die  gegenwärtigen  Gegenstände ¬
  wahrnehmen  machen  *).
§.  25.  Es  findet  sich  bey  der  Imagination,
dem  Gedächtniß  und  der  Erinnerung  ein  Umstand,
woran  diese  drey  Operationen  einzig  unterschieden
werden  können.  Die  Einbildungskraft  weckt  die
Perzeptionen  selbst  wieder  auf.  Das  Gedächtniß
ruft  nur  die  Zeichen  oder  die  Umstände  wieder  zurück, ¬
  und  die  Erinnerung  hilft  uns  zur  Kenntniß
solcher  Perzeptionen,  die  man  schon  gehabt  hat.
Hiebey  muß  ich  anmerken,  daß  dieselbige  Operation, =
  die  ich  in  Rücksicht  auf  die  Perzeptionen,
deren  Zeichen  und  Umstände  sie  wieder  auffrischt,
Gedächtniß  nenne,  in  Absicht  auf  die  Zeichen  und
die  Nebenumstände,  die  wieder  aufgeweckt  werden, =
  die  Einbildungskraft  ist;  weil  diese  Zeichen
und  diese  Umstände  Perzeptionen  sind.  Was  das
Betrachten  anlangt:  so  nimmt  dieses  entweder  an
*)  Ich  seze  hier  und  in  andern  Stellen  voraus,  daß
die  Erschütterung  der  Fibern  des  Gehirns  die  physische ¬
  Ursache  von  den  Perzeptionen  der  Seele  ist.
Ich  sehe  diese  Hypothese  zwar  nicht  als  bewiesen
an.  Sie  scheint  mir  aber  zur  Erklärung  meiner  Gedanken ¬
  die  bequemste  zu  seyn.  Geht  dieses  Geschäfte ¬
  nicht  so  vor:  so  geschieht  es  auf  eine  andere  Art,
die  eben  nicht  sehr  von  dieser  verschieden  seyn  kann.
Im  Gehirn  kann  nichts  anders,  als  Bewegung  vorgehn. ¬
  Man  mag  also  sagen,  die  Perzeptionen  werden ¬
  durch  die  Erschütterung  der  Fibern,  durch  die
Bewegung  der  Lebensgeister,  oder  durch  irgend  eine
andre  Ursache  hervorgebracht:
so  ist  mir  das,  zu  meiner ¬
  Absicht,  alles  gleich.
            
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