Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Mit  Hülfe  dieser  ersten  Jdeen  können  wir  uns
die  simpelsten  Figuren,  z.  B.  die  Dreyecke,  und
die  Vierecke,  bey  der  Abwesenheit  der  Gegenstände, =
  genau  vorstellen.  Sobald  die  Anzahl  der
Seiten  sehr  wächst,  bemühen  wir  uns  umsonst,
genaue  Vorstellungen  von  dergleichen  Figuren  zu
haben.  Wenn  ich  an  eine  hundertseitige,  und
wiederum  an  eine  neun  und  neunzigseitige  Figur
denke:  so  unterscheide  ich  beide  nicht  durch  die
Perzeptionen,  sondern  blos  durch  die  Benennungen, =
  die  ich  ihnen  gegeben  habe.  So  verhält  es  sich
auch  mit  allen  komplexen  Notionen.  Es  kann  ein
jeder  bemerken,  daß  er,  wenn  er  sie  gebrauchen
will,  blos  ihre  Namen  wiederaufweckt.  Was  die
in  ihnen  enthaltenen  einfachen  Ideen  betrift:  so
kann  diese  nur  eine  nach  der  andern  wieder  lebendig =
  machen;  und  man  muß  dieses  Lebendigmachen
einer  von  der  Memorie  verschiedenen  Operation
zuschreiben.
§.  22.  Die  Einbildungskraft  hilft  sich  natürlicher =
  Weise  mit  allem,  was  ihr  einige  Hülfe  leisten =
  kann.  Durch  Vergleichung  mit  unsrer  eignen
Gestalt  stellen  wir  uns  die  Figur  eines  abwesenden
Freundes  vor;  und  wir  werden  uns  ihn  groß  oder
klein  vorstellen,  weil  wir  seine  Tritte  gewissermassen =
  nach  der  Unsrigen  messen  werden.  Ordnung
aber  und  Symmetrie  sind  die  hauptsächlichsten
Hülfsmittel  für  die  Imagination.  Denn  an  diesen ¬
  Verhältnissen  findet  sie  verschiedene  Punkte,
worauf  sie  sich  heftet,  und  worauf  sie  das  Ganze
bezieht.  Wenn  ich  an  ein  hübsches  Gesicht  denke:
so  werden  sich  die  Angen  und  die  übrigen  Züge,
            
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