Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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keine  Perzeptionen,  von  denen  die  Seele  nichts
wissen  sollte.  Folglich  ist  auch  Perzeption  und
Bewußtseyn  eine  und  eben  dieselbige  Operation,
unter  zwey  Namen.  Jn  so  fern  man  diese  Operation =
  blos  als  Eindruck  in  der  Seele  betrachtet,
kann  man  den  Namen  Perzeption  beybehalten;
den  Namen  Bewußtseyn  hingegen  kann  man  ihr
geben,  in  so  fern  sie  die  Seele  von  ihrer  Gegenwart =
  benachrichtiget.  Jn  dieser  Bedeutung  werd
ich  künftig  diese  beyden  Ausdrücke  gebrauchen.
§.  14.  Die  Dinge  ziehn  unsre  Aufmerksamkeit
von  der  Seite  auf  sich,  von  welcher  sie  die  meiste
Aehnlichkeit  mit  unserm  Temperament,  unsern  Leidenschaften =
  und  unserm  Zustand  haben.  Diese  Aehnlichkeit =
  ist  der  Grund,  daß  sie  uns  stärker  rühren,  und
daß  wir  uns  ihrer  lebhafter  bewußt  sind.  Davon
rührt  es  her,  daß  wie  sich  diese  Beziehungen  und
Aehnlichkeiten  ändern,  wir  auchdie  Gegenstände  ganz
verschieden  finden,  und  ganz  verschiedene  und  entgegengesezte =
  Urtheile  über  sie  fällen.  Man  läßt  sich  gemeiniglich =
  von  dieser  Art  von  Urtheilen  so  sehr  hintergehn, =
  daß  derjenige,  der  zu  einer  Zeit  auf  eine
gewisse  Weise,  und  zu  einer  andern  Zeit,  auf  eine
andre  Art  sieht  und  urtheilt,  allemal  recht  zu  sehn
und  richtig  zu  urtheilen  glaubt.  Ein  Hang,  der
uns  so  natürlich  wird,  daß,  da  er  uns  die  Objekte
nicht  anders,  als  nach  ihren  Beziehungen  und
Aehnlichkeiten,  die  sie  mit  uns  haben,  beurtheilen ¬
  läßt,  wir  auch  das  Betragen  andrer  Menschen =
  blos  in  so  fern  gut  heißen,  in  so  fern  wir
das  Unsrige  billigen.  Nimmt  man  noch  hinzu,
daß  uns  die  Eigenliebe  leicht  überredet,  die  Din¬
            
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