Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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auch  von  den  Perzeptionen  gelten,  die  von  den
mich  umgebenden  Gegenständen  erzeugt  werden.
Wenn  diese  Objekte  mit  ohngefähr  gleichen  Kräften
auf  die  Sinne  wirken,  und  ohngefähr  gleich  lebhafte =
  Perzeptionen  in  mir  hervorbringen;  und
wenn  sich  meine  Seele  dem  Eindruck  derselben
überläßt,  ohne  daß  sie  sich  bemüht,  von  der  einen
Perzeption  ein  stärkeres  Bewußtseyn  zu  überkommen, =
  als  von  der  andern:  so  wird  zuverläßig
keine  Erinnerung  bey  mir  von  dem,  was  in  mir
vorgegangen  ist,  übrigbleiben.  Es  wird  mir
scheinen,  als  wenn  meine  Seele  sich  während  dieser =
  Zeit  in  einer  Art  von  Schlummer  befunden
habe,  worinnen  sie  sich  mit  keinem  einzigen  Gedanken ¬
  beschäftigte.  Dieser  Zustand  mag  nun
mehrere  Stunden,  oder  er  mag  nur  einige  Augenblicke ¬
  währen:  so  werde  ich  die  Verschiedenheit  in
der  Folge  meiner  gehabten  Perzeptionen  nicht  bemerken =
  können;  weil  sie  in  beyden  Fällen  vergessen
sind.  Selbst  wenn  dieser  Zustand,  Tage,  Monathe ¬
  oder  Jahre  lang  währen  sollte:  so  würde  man
sich  beym  Ende  dieses  Zustandes,  wenn  man  etwan =
  durch  eine  lebhafte  Sensation  aus  demselben
herausgesezt  würde,  mehrerer  Jahre  nicht  besser,
als  eines  einzigen  Augenblicks  erinnern  können.
§.  13.  Hieraus  können  wir  den  Schluß  ziehn,
daß  wir  in  Rücksicht  auf  die  meisten  von  unsern
Perzeptionen  keine  Rechnung  führen  können.  Und
das  zwar  nicht  deswegen,  daß  sie  etwa  ohne  Bewußtseyn =
  in  unsrer  Seele  gewesen;  sondern  deswegen, =
  weil  wir  sie  in  dem  nächsten  Augenblick,  da
Es  giebt  also
wir  sie  gehabt,  vergessen  haben.
            
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