Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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machende  Erfahrung,  daß  wir  unsre  Augen  tausendmal =
  zuschließen,  ohne  daß  wir  zu  erkennen
scheinen,  daß  wir  uns  im  Dunkeln  befinden.  Wie
ich  aber  andere  Erfahrungen  machte:  so  entdeckte
ich  meinen  Jrrthum.  Gewisse  Perzeptionen  nämlich, =
  die  ich  nicht  vergessen  hatte,  und  die  es
nothwendig  machten,  daß  ich  noch  andre  Perzeptionen =
  gehabt  haben  mußte,  worauf  ich  mich  aber
gleich  in  dem  nächsten  Augenblick,  da  ich  sie  gehabt,
nicht  mehr  besinnen  konnte,  bewogen  mich,  meine
Meinung  zu  ändern.
Man  gebe  nur  auf  sich  selbst  Acht,  wenn  man
eine  Lektüre  geendiget  hat.  Es  wird  scheinen,
man  sey  sich  keiner  andern  Jdeen  bewußt  gewesen,
außer  derer,  die  man  durch  das  Lesen  des  Buchs
überkam.  Es  wird  einem  nicht  vorkommen,  daß
man  sich  auch  der  Perzeption  eines  jeden  Buchstabs ¬
  nicht  mehr  bewußt  gewesen,  als  der  Finsterniß =
  zu  jedem  mal,  da  man  die  Augenlieder
schloß.  Durch  diesen  Anschein  wird  man  sich
indessen  nicht  hintergehn  lassen,  wenn  man  überlegt, =
  daß  man,  ohne  das  Bewußtseyn  der  Perzeption =
  der  einzelnen  Buchstaben,  kein  Bewußtseyn =
  der  Perzeption  der  Wörter  und  folglich  auch
nicht  der  Jdeen  würde  haben  erhalten  können.
§.  10.  Aus  dieser  Erfahrung  läßt  sich  der  natürliche =
  Grund  von  einer  Erscheinung  geben,  die
jedermann  erfährt;  ich  meine  von  der  erstaunlichen =
  Geschwindigkeit,  womit  einem  bisweilen  die
Zeit  verflossen  zu  seyn  scheint.  Dieses  rührt  davon =
  her,  daß  wir  den  größten  Theil  der  Perzeptionen =
  vergessen  haben,  die  in  unserer  Seele  auf  ein=
            
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