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§. 52. Die Natur selbst lehrt einen die Ordnung, die
man im Vortrag der Wahrheit befolgen muß. Denn,
wofern wir alle unsere Kenntnisse mittelst der Sinne erhalten: ¬
so ist es offenbar, daß die Erkenntniß abstrakter
Notionen aus sinnlichen Ideen zubereitet werden muß.
Jst es wol vernünftig, mit der Jdee vom Möglichen anzufangen, =
um zum Begrif von der Wirklichkeit zu gelangen? =
oder mit der Idee vom Punkt, um zum Begrif
vom Solidum fortzugehn? Die Elemente der Wissenschaften =
werden nimmermehr einfach und leicht werden,
so lang man nicht nach einer ganz entgegengesetzten Methode ¬
verfährt. Die Philosophen werden diese Wahrheit
nur mit Mühe einsehn; weil sie im Vorurtheil der angebornen ¬
Ideen stecken, oder weil sie sich für einen Gebrauch ¬
einnehmen lassen, den die Zeit geheiligt zu haben
scheint. Diese vorgefaßte Meinung ist so allgemein, daß
mir vielleicht blos die Unwissenden beitreten werden.
Allein gerade hier sind die Unwissenden Richter; denn für
sie gehoren die Elemente. Ein Buch, welches in den Augen =
der Gelehrten ein Hauptwerk ist, thut hierinnen seiner =
Absicht nicht Genüge, wenn wir es nicht verstehn.
Die Meßkünstler selbst, die die Vortheile der Analyse
besser als andre Philosophen kennen müßten, geben der
Synthese sehr oft den Vorzug. Wenn sie sich aber auch
von ihren Rechnungen in andre Untersuchungen einlassen: ¬
so findet man nicht mehr dieselbige Klarheit, Bestimmtheit ¬
und Weitläuftigkeit des Geistes. Wir haben
vier berühmte Methaphysiker; den Descartes, Malebranche, ¬
Leibnitz und Locke. Der leztere ist der einzige,
der nicht zugleich Geometer war; und um wie viel vortreflicher ¬
ist er nicht, als die drey andern?
§. 53. Hieraus ziehen wir den Schluß: wenn die Analyse =
die Methode ist, die man bey der Untersuchung der
Wahrheit befolgen muß; so ist sie auch die Methode, deren
man sich zum Vortrag der Entdeckungen bedienen muß,
die man gemacht hat. Jch habe dieses zu leisten gesucht.
Was ich von den Operationen der Seele, der Sprache
und der Methode gesagt habe, beweiset, daß man die Wisfenschaften ¬
nicht vervollkommnen könne, wofern man nicht
Es ist auch bewiedie =
Sprache derselben genauer bildet.