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§. 49. Bisweilen gefällt auch der Mangel der Ordnung. =
Das hängt aber von gewissen Situationen der
Seele ab. Injenen Augenblicken der Reverse, in welchem ¬
der Geist zu träge ist, als daß er sich lange mit denfelhigen ¬
Gedanken beschäftigen mögte, und in welchen er es
folglich gerne sieht, wenn die Gedanken durch den Zufall
auf einander folgen; in diesen Augenblicken wird man z.
B. am freien Feld mehr Vergnügen finden, als in den
schönsten Gärten. Denn jene Unordnung auf einem Feld
verträgt sich mit der Unordnung unsrer Jdeen besser; und
sie erhält uns bey unsrer Reverie, weil sie uns verhindert,
bey einem und eben demselben Gedanken stehn zu bleiben.
Dieser Zustand der Seele ist besonders alsdann sehr angenehm, =
wenn man ihn nach einer langen Arbeit genießt.
Es giebt auch Lagen der Seele, die die Lektüre der
Werke begünstigen, in welchen keine Ordnung herrscht.
Ich lese z. B. den Montagne bisweilen mit vielem Vergnügen; ¬
ein andermal hingegen ist er mir unertraglich.
Ich weiß nicht, ob andre diese Erfahrung gleichfalls gemacht ¬
haben. Was mich aber betrifft: so wünschte ich
nicht dazu verdammt zu werden, immer dergleichen
Schriftsteller lesen zu müssen. Die Ordnung hat den
Vorzug, daß sie beständig gefällt; der Mangel der Ordnung ¬
hingegen gefallt nur zu gewissen Zeiten, und es giebt
keine Regeln, wodurch man sich der erwünschten Wirkung
der Unordnung versichern konnte. Dem Montagne hat
Man würde zu viel wagen, wenn
es einmal geglückt.
man ihm nachahmen wollte.
§. 50. Durch die Ordnung soll das Verständniß eines
Werks erleichtert werden. Vermeiden muß man demnach
Ausführlichkeiten, weil sie den Geist erschlappen; Digressionen, =
weil sie ihn zerstreuen; häufige Divisionen und
Subdivisionen, weil sie ihn verwirren; und Wiederholungen, ¬
weil sie ihn ermüden. Wenn man eine Sache
einmal und an ihrem gehörigen Ort gesagt hat: so ist sie
deutlicher, als wenn sie sonst mehrmalen wiederholet wird.
§. 51. Man muß beim Vortrag, so wie auch bey
der Untersuchung der Wahrheit mit den leichtesten
und mit den Ideen anfangen, die man unmittelbar
durch die Sinne erhält; und von diesen muß