Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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fältig;  allein  die  Kunst,  die  auf  allen  Seiten  hervorsticht,
ist  einem  anstößig.
Je  mehr  sie  Ordnung  suchen,  desto
trockener,  unangenehmer  und  schwerer  werden  sie.  Das
rührt  davon  her;  sie  wußten  das,  was  der  Materie,  die
sie  abhandeln,  am  natürlichsten  zugehörte,  nicht  auszuwählen. =
  Hätten  sie  dieses  ausgewählt:  so  würden  sie
ihre  Gedanken  so  klar  und  simpel  vorgetragen  haben,  daß
der  Leser  sie  zu  leicht  würde  begriffen  haben,  als  daß  er  an
den  Wirkungen  hätte  zweifeln  können,  die  sie  würden  haben ¬
  hervorbringen  müssen.  Wir  glauben,  Dinge  seyen
andern  schwer  oder  leicht,  nachdem  sie  uns  schwer  oder
leicht  sind;  und  wir  pflegen  von  der  Mühe,  die  ein  Schriftsteller =
  gehabt,  um  sich  auszudrücken,  aus  der  Mühe  zu
urtheilen,  mit  welcher  wir  ihn  verstanden  haben.
§.  47.  Die  einer  Sache  natürliche  Ordnung  kann  nie
schaden.  Ordnung  muß  sogar  in  Werken  vorkommen,  die
im  Enthusiasm  verfertigt  worden,  z.  B.  in  der  Ode;  zwar
nicht  in  der  Bedeutung,  daß  man  da  methodisch  raisonniren ¬
  müsse:  sondern  man  muß  sich  nach  der  Ordnung  bequemen, ¬
  in  welcher  sich  die  Ideen,  die  jede  Leidenschaft
charakterisiren,  an  einander  reihen.  Darinnen  liegt,
wie  mich  dunkt,  die  ganze  Kraft  und  Schönheit  dieser  Art
von  Poesie.
Was  die  Werke  des  Räsonnements  betrifft:  so  kann
sich  ein  Schriftsteller,  nur  in  sofern  er  Ordnung  in  seine
Werke  bringt,  der  Dinge  bewußt  werden,  die  vergessen,
oder  die  nicht  tief  genug  untersucht  sind.  Diese  Erfahrung
hab  ich  oft  gemacht.
So  hatte  ich  z.  B.  diesen  Versuch
schon  zu  Ende  gebracht,  und  ich  kannte  das  Prinzipium
der  Ideenverknüpfung  doch  noch  nicht  in  seinem  ganzen
Umfang.  Es  lag  einzig  und  allein  an  einer  Stelle  von
ein  Paar  Seiten,  die  nicht  auf  ihrem  gehörigen  Plaz  stund.
§.  48.  Die  Ordnung  gefällt  uns.  Der  Grund  davon
scheint  mir  sehr  simpel  zu  seyn.  Die  Ordnung  nämlich
bringt  die  Dinge  einander  näher,  verknüpft  sie;  und  da
sie  dadurch  die  Uebung  der  Seelenoperationen  erleichtert,
so  sezt  sie  uns  in  den  Stand,  die  Beziehungen  wahrzunehmen, ¬
  deren  Kenntniß  uns  bey  Gegenständen,  die  uns
näher  angehn,  wichtig  ist.  Unser  Vergnügen  muß  in  eben
dem  Verhältniß  wachsen,  in  welchem  wir  die  Dinge  leichter =
  einsehn,  deren  Einsicht  uns  unser  Jnteresse  anempfielt.
            
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