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fältig; allein die Kunst, die auf allen Seiten hervorsticht,
ist einem anstößig.
Je mehr sie Ordnung suchen, desto
trockener, unangenehmer und schwerer werden sie. Das
rührt davon her; sie wußten das, was der Materie, die
sie abhandeln, am natürlichsten zugehörte, nicht auszuwählen. =
Hätten sie dieses ausgewählt: so würden sie
ihre Gedanken so klar und simpel vorgetragen haben, daß
der Leser sie zu leicht würde begriffen haben, als daß er an
den Wirkungen hätte zweifeln können, die sie würden haben ¬
hervorbringen müssen. Wir glauben, Dinge seyen
andern schwer oder leicht, nachdem sie uns schwer oder
leicht sind; und wir pflegen von der Mühe, die ein Schriftsteller =
gehabt, um sich auszudrücken, aus der Mühe zu
urtheilen, mit welcher wir ihn verstanden haben.
§. 47. Die einer Sache natürliche Ordnung kann nie
schaden. Ordnung muß sogar in Werken vorkommen, die
im Enthusiasm verfertigt worden, z. B. in der Ode; zwar
nicht in der Bedeutung, daß man da methodisch raisonniren ¬
müsse: sondern man muß sich nach der Ordnung bequemen, ¬
in welcher sich die Ideen, die jede Leidenschaft
charakterisiren, an einander reihen. Darinnen liegt,
wie mich dunkt, die ganze Kraft und Schönheit dieser Art
von Poesie.
Was die Werke des Räsonnements betrifft: so kann
sich ein Schriftsteller, nur in sofern er Ordnung in seine
Werke bringt, der Dinge bewußt werden, die vergessen,
oder die nicht tief genug untersucht sind. Diese Erfahrung
hab ich oft gemacht.
So hatte ich z. B. diesen Versuch
schon zu Ende gebracht, und ich kannte das Prinzipium
der Ideenverknüpfung doch noch nicht in seinem ganzen
Umfang. Es lag einzig und allein an einer Stelle von
ein Paar Seiten, die nicht auf ihrem gehörigen Plaz stund.
§. 48. Die Ordnung gefällt uns. Der Grund davon
scheint mir sehr simpel zu seyn. Die Ordnung nämlich
bringt die Dinge einander näher, verknüpft sie; und da
sie dadurch die Uebung der Seelenoperationen erleichtert,
so sezt sie uns in den Stand, die Beziehungen wahrzunehmen, ¬
deren Kenntniß uns bey Gegenständen, die uns
näher angehn, wichtig ist. Unser Vergnügen muß in eben
dem Verhältniß wachsen, in welchem wir die Dinge leichter =
einsehn, deren Einsicht uns unser Jnteresse anempfielt.