405
schlug eine zu vollkommene Methode Fbr, als daß
er eine Revolution hätte verursachen können; die
Methode des Descartes hingegen mußte williger
aufgenommen werden, weil sie einen ansehnlichen
Theil von Jrrthümern unangetastet stehen ließ.
Hiezu nehme man noch den Umstand; der englische
Phikosoph war in Geschäfte verwickelt, die ihm die
Ausführung dessen, was er andern rieth, nicht
zuliessen. Er mußte sich mit der Ertheilung guter ¬
Vorschläge begnügen, die auf Menschen, die
ihre Gründlichkeit nicht einsehn konnten, nur einen
Dessehr ¬
schwachen Eindruck machen mußten.
cartes hingegen, der sich auf die Philosophie legte, ¬
und dabey eine lebhaftere und fruchtbare Einbildungskraft =
hatte, hat den Jrrthümern anderer
Weltweisen bisweilen weit verführerische Jrrthümer ¬
untergeschoben; und diese haben zu seinem
Ruhm nicht wenig beigetragen.
Viertes Kapitel.
Von der Ordnung, die man beim Vortrag der
Wahrheit befolgen muß.
§. 45. Jedermann weiß, daß die Kunst in einem Werk
nicht hervorstechen darf. Vielleicht weiß man es aber nicht
eben so gut, daß man nur mittelst der Kunst die Kunst verstecken =
kann. Es giebt viele Schriftsteller, die sich, um
leichter und natürlicher zu schreiben, keiner Ordnung unterwerfen ¬
wollen. Versteht man indessen unter der schönen =
Natur eine von Mängeln befreiete Natur: so folgt,
daß man sie nicht durch Nachläßigkeiten nachzuahmen sich
bestreben müsse, und daß die Kunst nur dann erst verschwinden =
muß, wenn man Kunst genug besizt, jene Nachläßigkeiten =
zu vermeiden.
§. 46. Andre Schriftsteller bringen viel Ordnung in
ihre Schriften. Sie dividiren und subdividiren sie sorg=