Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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schlug  eine  zu  vollkommene  Methode  Fbr,  als  daß
er  eine  Revolution  hätte  verursachen  können;  die
Methode  des  Descartes  hingegen  mußte  williger
aufgenommen  werden,  weil  sie  einen  ansehnlichen
Theil  von  Jrrthümern  unangetastet  stehen  ließ.
Hiezu  nehme  man  noch  den  Umstand;  der  englische
Phikosoph  war  in  Geschäfte  verwickelt,  die  ihm  die
Ausführung  dessen,  was  er  andern  rieth,  nicht
zuliessen.  Er  mußte  sich  mit  der  Ertheilung  guter ¬
  Vorschläge  begnügen,  die  auf  Menschen,  die
ihre  Gründlichkeit  nicht  einsehn  konnten,  nur  einen
Dessehr ¬
  schwachen  Eindruck  machen  mußten.
cartes  hingegen,  der  sich  auf  die  Philosophie  legte, ¬
  und  dabey  eine  lebhaftere  und  fruchtbare  Einbildungskraft =
  hatte,  hat  den  Jrrthümern  anderer
Weltweisen  bisweilen  weit  verführerische  Jrrthümer ¬
  untergeschoben;  und  diese  haben  zu  seinem
Ruhm  nicht  wenig  beigetragen.
Viertes  Kapitel.
Von  der  Ordnung,  die  man  beim  Vortrag  der
Wahrheit  befolgen  muß.
§.  45.  Jedermann  weiß,  daß  die  Kunst  in  einem  Werk
nicht  hervorstechen  darf.  Vielleicht  weiß  man  es  aber  nicht
eben  so  gut,  daß  man  nur  mittelst  der  Kunst  die  Kunst  verstecken =
  kann.  Es  giebt  viele  Schriftsteller,  die  sich,  um
leichter  und  natürlicher  zu  schreiben,  keiner  Ordnung  unterwerfen ¬
  wollen.  Versteht  man  indessen  unter  der  schönen =
  Natur  eine  von  Mängeln  befreiete  Natur:  so  folgt,
daß  man  sie  nicht  durch  Nachläßigkeiten  nachzuahmen  sich
bestreben  müsse,  und  daß  die  Kunst  nur  dann  erst  verschwinden =
  muß,  wenn  man  Kunst  genug  besizt,  jene  Nachläßigkeiten =
  zu  vermeiden.
§.  46.  Andre  Schriftsteller  bringen  viel  Ordnung  in
ihre  Schriften.  Sie  dividiren  und  subdividiren  sie  sorg=
            
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