Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Allein  es  ist  nicht  wahrscheinlich,  daß,  wenn
wir  einem  Gegenstand  unsre  Aufmerksamkeit  widmen, =
  alle  Fibern  des  Gehirns  gleichmäßig  bewegt ¬
  werden;  so  daß  nicht  noch  viele  andre
Fibern  übrigblieben,  die  einen  andern  Eindruck
aufnehmen  könnten.  Man  hat  also  Grund  anzunehmen, =
  daß  viele  Perzeptionen  in  uns  vorgehn,
von  denen  wir  gleich  im  nächsten  Augenblick  nicht
wissen,  daß  wir  sie  gehabt  haben.  Was  hier
nur  noch  Vermuthung  ist,  soll  bald  bewiesen  werden.
§.  8.  Die  zwote  Meinung  wäre  diese,  wenn
man  sagte:  es  werde  gar  kein  Eindruck  auf  die
Sinne  gemacht,  der  sich  nicht  dem  Gehirn  mittheilt, ¬
  und  der  folglich  nicht  auch  eine  Perzeption
in  der  Seele  hervorbringt.  Man  könnte  aber
hinzusezen,  daß  die  Perzeption  ohne  Bewußtseyn
seyn,  und  daß  sie  nicht  zur  Kenntniß  der  Seele  gelangen =
  könne.  —  Hier  trete  ich  Locken  bey.  Denn
ich  habe  keine  Idee  von  einer  solchen  Perzeption.
Es  ist  eben  so  gut,  als  wenn  man  sagte,  ich  apperzipire, =
  ohne  zu  apperzipiren.
§.  9.  Jch  glaube  also;  wir  haben  allemal  das
Bewußtseyn  der  Jmpressionen  auf  die  Seele.  Freylich =
  ist  dieses  Bewußtseyn  bisweilen  so  augenblicklich, =
  daß  wir  uns  auf  dasselbe  gleich  im  nächsten
Augenblick  nicht  mehr  besinnen  können.  Einige
Beyspiele  werden  meine  Behauptung  in  ein  helles
Licht  stellen.
Ich  gestehe  gern;  es  hat  mir  eine  Zeit  lang
geschienen,  als  wenn  in  uns  Perzeptionen  vorgehn, =
  deren  wir  uns  nicht  bewußt  sind.  Jch
stüzte  mich  dabey  hauptsächlich  auf  die  leicht  zu
            
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