Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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den,  wenn  die  Sinnen  uns  keine  Ideen  mehr  zuführen, ¬
  und  wenn  folglich  auch  der  Verstand  keine
Notionen  weiter  bilden  kann.  Nun  aber  ist  ja
nichts  wichtiger,  als  daß  man  die  Dinge,  worauf
wir  uns  mit  glücklichem  Erfolg  legen  können,  von
den  Dingen,  an  welchen  wir  nothwendig  zu  Schanden =
  werden  müssen,  zu  unterscheiden  wisse.  Weil
die  Weltweisen  diesen  Unterschied  nicht  zu  machen
gewußt:  so  haben  sie  oft  mit  der  Untersuchung
unbeantwortlicher  Fragen,  Zeit  verloren,  die  sie
auf  nüzliche  Untersuchungen  hätten  wenden  können.
Ein  Beyspiel  davon  sind  ihre  Bemühungen,  das
Wesen  und  die  Natur  der  Dinge  zu  erklären.
§.  31.  Alle  Wahrheiten  beschränken  sich  auf
die  Beziehungen,  die  sich  unter  einfachen,  unter
zusammengesezten,  und  unter  einer  einfachen  und
einer  zusammengesezten  Jdee  finden.  Mittelst  der
Methode,  die  ich  vorschlage,  wird  man  die  Irrthümer ¬
  vermeiden  können,  in  die  man  bey  der  Un
tersuchung  aller  dieser  Jdeen  verfällt.
Die  einfachen  Ideen  können  zu  keinem  Jerthum
Anlaß  geben.  Der  Grund  unsrer  Irrthümer  liegt
entweder  darinnen,  daß  wir  von  einer  Idee  etwas
wegthun,  was  ihr  zugehört,  weil  wir  nicht  alle
Theile  derselben  kennen;  oder  auch  darinnen  daß
wir  etwas  zu  derselben  hinzufügen,  was  ihr  nicht
zugehört,  weil  unsre  Imagination  voreilig  urtheilt,
sie  schließe  das  in  sich  ein,  was  sie  doch  nicht  in
sichfaßt.  Nun  aber  können  wir  von  einer  einfachen ¬
  Idee  nichts  wegschneiden;  weil  wir  keine
Theile  in  derselben  unterscheiden;  wir  können  auch,
so  lang  wir  sie  als  einfach  betrachten,  nichts  zu
derselben  hinzuthun;  weil  sie  dadurch  ihre  Einfachheit =
  verlieren  würde.
            
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