391
den, wenn die Sinnen uns keine Ideen mehr zuführen, ¬
und wenn folglich auch der Verstand keine
Notionen weiter bilden kann. Nun aber ist ja
nichts wichtiger, als daß man die Dinge, worauf
wir uns mit glücklichem Erfolg legen können, von
den Dingen, an welchen wir nothwendig zu Schanden =
werden müssen, zu unterscheiden wisse. Weil
die Weltweisen diesen Unterschied nicht zu machen
gewußt: so haben sie oft mit der Untersuchung
unbeantwortlicher Fragen, Zeit verloren, die sie
auf nüzliche Untersuchungen hätten wenden können.
Ein Beyspiel davon sind ihre Bemühungen, das
Wesen und die Natur der Dinge zu erklären.
§. 31. Alle Wahrheiten beschränken sich auf
die Beziehungen, die sich unter einfachen, unter
zusammengesezten, und unter einer einfachen und
einer zusammengesezten Jdee finden. Mittelst der
Methode, die ich vorschlage, wird man die Irrthümer ¬
vermeiden können, in die man bey der Un
tersuchung aller dieser Jdeen verfällt.
Die einfachen Ideen können zu keinem Jerthum
Anlaß geben. Der Grund unsrer Irrthümer liegt
entweder darinnen, daß wir von einer Idee etwas
wegthun, was ihr zugehört, weil wir nicht alle
Theile derselben kennen; oder auch darinnen daß
wir etwas zu derselben hinzufügen, was ihr nicht
zugehört, weil unsre Imagination voreilig urtheilt,
sie schließe das in sich ein, was sie doch nicht in
sichfaßt. Nun aber können wir von einer einfachen ¬
Idee nichts wegschneiden; weil wir keine
Theile in derselben unterscheiden; wir können auch,
so lang wir sie als einfach betrachten, nichts zu
derselben hinzuthun; weil sie dadurch ihre Einfachheit =
verlieren würde.