Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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würde,  würde  er  Zeichen  erfinden.  Er  würde
seine  ersten  Ideen  nach  den  Umständen  verbinden,
in  welchen  er  sich  findet.  Eine  jede  Kollektion
würde  er  mittelst  eigner  Namen  fixiren,  und  wenn
er  zwo  komplexe  Notionen  vergleichen  wollte:  so
würde  er  sie  leicht  analysiren  können,  weil  er  keine
Schwierigkeit,  sie  auf  einfache  Ideen  zurückzuführen, ¬
  finden  würde,  aus  denen  er  sie  selbst  zusammengesezt. =
  Da  er  sich  auf  solche  Weise  keine
Wörter  eher  erdenken  würde,  als  bis  er  sich  Jdeen
gebildet:  so  würden  seine  Notionen  stets  genau  bestimmt =
  und  seine  Sprache  würde  keinen  Dunkelheiten
und  Vieldeutigkeiten  unterworfen  seyn,  denen  unsre
Sprache  unterworfen  ist.  Nun  wollen  wir  uns  einmal
an  die  Stelle  dieses  Menschen  versezen;  wir  wollen
alle  Umstände  durchgehn,  unter  welchen  er  sich  befinden =
  kann;  wir  wollen  mit  ihm  sehn,  was  er
empfindet;  wir  wollen  uns  dieselbigen  Ideen  erwerben; ¬
  sie  sorgfältig  analysiren;  sie  mit  ähnlichen
Zeichen  ausdrücken,  und  uns,  so  zu  sagen,  eine
ganz  neue  Sprache  machen.
§.  30.  Jndem  wir,  nach  dieser  Methode,  nur
aus  einfachen  oder  auch  aus  solchen  zusammengesezten ¬
  Ideen  schließen  werden,  die  das  Werk
unsres  Verstandes  sind;  so  werden  wir  zwey  Vortheile ¬
  haben.  Der  erste:  wir  werden,  da  wir  die
Erzeugung  der  Ideen,  worüber  wir  meditiren,
kennen,  nichts  behaupten,  wobey  wir  nicht  wissen
sollten,  wo  wir  nun  sind,  wie  wir  hingekommen,
und  wie  wir  wieder  auf  unsern  Pfad  zurückkehren
können.  Der  zweyte:  wir  werden  bey  jeder  Materie ¬
  die  Gränzen  unsrer  Erkenntniß  deutlich  kennen; ¬
  weil  wir  denn  auf  diese  Gränzen  stossen  wer¬
            
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