Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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wird;  so  daß  es  ein  Widerspruch  wäre,  daß  eine
Perzeption  nicht  erkannt  werde:  so  muß  Perzeption
und  Bewußtseyn  nur  als  eine  und  eben  dieselbe  Operation ¬
  angesehn  werden.  Ist  hingegen  die  entgegengesezte ¬
  Meinung  die  richtige:  so  sind  es  zwey
verschiedne  Operationen,  und  in  dem  Fall  würde
unsre  Erkenntniß  eigentlich  bey  dem  Bewußtseyn,
und  nicht  bey  der  Perzeption  anfangen,  wie  ich  angenommen ¬
  habe.
§.  5.  Es  trift  sich  oft,  daß  wir  bey  mehrern
Perzeptionen,  deren  wir  uns  zu  gleicher  Zeit  bewußt ¬
  sind,  doch  ein  stärkeres  Bewußtseyn  von  einigen, =
  als  von  andern  haben,  oder  daß  wir  lebhafter
von  ihrem  Daseyn  benachrichtiget  werden.
mehr  das  Bewußtseyn  jener  zunimmt,  desto  mehr
nimmt  das  Bewußtseyn  der  leztern  ab.  Wenn  jemand ¬
  ein  Schauspiel  besucht,  wo  eine  Menge  von
Gegenständen  seine  Blicke  um  die  Wette  auf  sich  hinziehn: ¬
  so  wird  seine  Seele  von  der  Menge  der  Gegenstände ¬
  bestürmt  werden,  die  sie  ganz  gewiß  erkennt; ¬
  Allein  es  werden  ihr  allmälig  einige  unter
ihnen  vorzüglich  gefallen,  und  sie  vor  andern  interessiren. ¬
  Diesen  wird  sie  sich  daher  lieber  überlassen; ¬
  Und  von  diesem  Augenblick  an,  wird  das  Bewußtseyn =
  der  übrigen  unmerklich  bis  zu  dem  Punkt
abnehmen,  daß,  wenn  der  Zuschauer  wieder  zu  diesen ¬
  Objekten  zurückkömmt,  er  sich  nicht  mehr  erinnern ¬
  wird,  daß  er  sie  schon  bemerkt  habe.  Hievon
ist  die  Täuschung  bey  einem  Schauspiel  ein  Beweis.
Es  giebt  Augenblicke,  in  denen  sich  das  Bewußtseyn ¬
  zwischen  der  aufgeführten  Handlung  und  zwischen ¬
  dem  Rest  des  Schauspiels  nicht  zu  theilen
            
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