Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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§.  6.  Die  Verbindung  der  Zeichen  mit  den
Sachen  ist  uns  indessen,  wie  wir  über  ihren  Werth
noch  nicht  nachzudenken,  im  Stande  waren,  so
natürlich  geworden,  daß  wir  uns  gewöhnt  haben,
die  Namen  auf  die  Realität  der  Gegenstände  selbst
hinzuziehen,  und  daß  wir  glaubten,  sie  erklären
ihr  Wesen  vollkommen.  Man  hat  sich  vorgestellt,
es  gebe  angebohrne  Ideen:  weil  es  Ideen  giebt,
die  bey  allen  Menschen  dieselbigen  sind.  Wir
würden  zuverläßig  gesagt  haben,  unsre  Sprache
sey  angeboren,  wenn  wir  nicht  gewußt  hätten,  daß
andere  Völker  ganz  andre  Sprachen  reden.  Es
scheint,  als  wenn  alle  unsre  Bemühungen  bey  unsern =
  Untersuchungen  dahin  abzielen,  daß  wir  neue
Ausdrücke  ersinnen.  Kaum  haben  wir  sie  erfunden: ¬
  so  glauben  wir,  neue  Kenntnisse  erworben
zu  haben.  Die  Selbstliebe  überredet  uns  leicht,
daß  wir  die  Dinge  kennen,  wenn  wir  lange  uns
bemüht  haben,  sie  kennen  zu  lernen,  und  wenn
wir  viel  von  ihnen  gesprochen  haben.
§.  7.  Wenn  man  den  Ursprung  unsrer  Irrthümer ¬
  auf  die  eben  angezeigte  Quelle  zurückführt:
so  bringt  man  sie  auf  eine  einzige  Ursache,  die  so
beschaffen  ist,  daß  man  es  sich  nicht  verheelen
kann,  daß  sie  bisher  vielen  Antheil  an  unsern  Urtheilen =
  gehabt.  Vielleicht  könnte  man  auch  den
eingenommensten  Philosophen  das  Geständniß  abnöthigen, =
  daß  diese  Ursache  die  ersten  Gründe  zu
ihren  Systemen  gelegt.  Man  dürfte  sie  nur  geschickt ¬
  auszuforschen  wissen.  Jn  der  That,  wenn
unsre  Leidenschaften  Irrthümer  verursachen:  so
geschieht  es  deswegen,  weil  sie  ein  schwankendes
            
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