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§. 6. Die Verbindung der Zeichen mit den
Sachen ist uns indessen, wie wir über ihren Werth
noch nicht nachzudenken, im Stande waren, so
natürlich geworden, daß wir uns gewöhnt haben,
die Namen auf die Realität der Gegenstände selbst
hinzuziehen, und daß wir glaubten, sie erklären
ihr Wesen vollkommen. Man hat sich vorgestellt,
es gebe angebohrne Ideen: weil es Ideen giebt,
die bey allen Menschen dieselbigen sind. Wir
würden zuverläßig gesagt haben, unsre Sprache
sey angeboren, wenn wir nicht gewußt hätten, daß
andere Völker ganz andre Sprachen reden. Es
scheint, als wenn alle unsre Bemühungen bey unsern =
Untersuchungen dahin abzielen, daß wir neue
Ausdrücke ersinnen. Kaum haben wir sie erfunden: ¬
so glauben wir, neue Kenntnisse erworben
zu haben. Die Selbstliebe überredet uns leicht,
daß wir die Dinge kennen, wenn wir lange uns
bemüht haben, sie kennen zu lernen, und wenn
wir viel von ihnen gesprochen haben.
§. 7. Wenn man den Ursprung unsrer Irrthümer ¬
auf die eben angezeigte Quelle zurückführt:
so bringt man sie auf eine einzige Ursache, die so
beschaffen ist, daß man es sich nicht verheelen
kann, daß sie bisher vielen Antheil an unsern Urtheilen =
gehabt. Vielleicht könnte man auch den
eingenommensten Philosophen das Geständniß abnöthigen, =
daß diese Ursache die ersten Gründe zu
ihren Systemen gelegt. Man dürfte sie nur geschickt ¬
auszuforschen wissen. Jn der That, wenn
unsre Leidenschaften Irrthümer verursachen: so
geschieht es deswegen, weil sie ein schwankendes