Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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welches  er  uns,  um  zur  Wahrheit  zu  gelangen,
gegeben  hat.  Auf  solche  Weise  scheinen  uns  Notionen, ¬
  mit  denen  wir  sehr  bekannt  sind,  äußerst
evidente  Prinzipien  zu  seyn.
§.  5.  Die  Art,  wie  wir  die  Sprache  erlernen,
gewöhnt  unsern  Geist  an  diese  Ungenauigkeit  an.
Wir  erreichen  das  Alter  der  Vernunft  nur  wenn
wir  schon  lange  den  Gebrauch  der  Sprache  erlernt
haben.  Wenn  man  die  zur  Bezeichnung  der  Bedürfnisse =
  bestimmten  Wörter  ausnimmt:  so  hat
uns  gewöhnlich  nur  der  Zufall  Gelegenheit  gegeben, ¬
  daß  wir  gewisse  Töne  eher  als  andre  gehört,  und
daß  wir  gerade  diese  Jdeen  mit  denselben  verbunden =
  haben.  Man  darf  nur  auf  die  Kinder  ein
wenig  Acht  geben,  um  sich  den  Zustand,  den  man
durchgegangen  ist,  zurückzurufen;  und  man  wird
einsehn,  daß  nirgend  mehr  Ungenauigkeit  vorkömmt,
als  in  der  Anwendung  der  Wörter.  Darüber
darf  man  sich  nicht  wundern.  Wir  hörten  Ausdrücke, =
  deren  Bedeutung,  wenn  sie  gleich  durch  den
Sprachgebrauch  richtig  bestimmt  worden,  doch  so
zusammengesezt  war,  daß  wir  weder  Erfahrung
noch  Scharfsinn  genug  hatten,  um  sie  fassen  zu
können.  Wir  hörten  wiederum  andre  Ausdrücke,
die  nie  zu  zweyen  malen  denselbigen  Begrif  hatten, ¬
  oder  die  vielleicht  auch  ganz  sinnlos  waren.
Um  von  der  Unmöglichkeit,  uns  dergleichen  Wörter =
  mit  Kenntniß  zu  bedienen,  urtheilen  zu  können, =
  darf  man  nur  die  Schwierigkeit  bedenken,
in  welcher  wir  uns  noch  sehr  oft  bey  dergleichen
Wörtern  befinden.
Condillac.
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