Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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§.  160.  Jch  zweifle  gar  nicht,  daß  man  nicht
meinen  Bemerkungen  über  den  Charakter  der
Sprache  widersprechen  wird.  Ich  habe  oft  Personen ¬
  gefunden,  die  alle  Sprachen  zu  allen  Geistesarbeiten =
  gleich  geschickt  hielten,  und  die  behaupteten, =
  ein  wie  Corneille  organisirter  Mensch
würde  die  nämlichen  Proben  der  Talente  gegeben
haben,  er  mag  in  einem  Jahrhundert,  gelebt,  oder  in
einer  Sprache  geschrieben  haben,  in  welcher  er  wollte.
Vielleicht  hat  der  Umstand,  daß  die  Zeichen,
wenn  sie  zum  erstenmal  gebraucht  werden,  willkührlich =
  sind,  viele  auf  den  Gedanken  gebracht,  daß
Allein  ich
sie  keinen  Charakter  haben  können.
frage:  ist  es  nicht  einer  jeden  Nation  natürlich,
ihre  Ideen  nach  dem  ihr  eigenthümlichen  Genie
zu  verbinden,  und  die  verschiedenen  hinzukommenden =
  Jdeen,  einem  gewissen  Fond  von  Hauptideen
nach  der  Art  beyzufügen,  nach  welcher  sie  verschiedentlich =
  gerührt  wird?  Diese  durch  einen  langwierigen =
  Gebrauch  auktorisirten  Kombinationen  aber
sind  gerade  das,  was  das  Genie  einer  Sprache  ausmacht. =
  Es  kann  freylich  mehr  oder  weniger  ausgebreitet =
  seyn.  Das  hängt  von  der  Anzahl  und  der  Mannigfaltigkeit =
  der  gangbaren  Wendungen  und  von
der  Analogie  ab,  die  einem  Mittel  an  die  Hand
giebt,  wenn  es  nöthig  ist,  neue  Wendungen  zu
erfinden.  Diesen  Charakter  ganz  zu  verändern,  steht
gar  nicht  in  der  Gewalt  eines  einzigen  Mannes.
Man  redet,  sobald  man  davon  abweicht,  eine
fremde  Sprache,  und  man  wird  nicht  mehr  verstanden. =
  Die  Hervorbringung  solcher  beträchtlicher ¬
  Veränderungen  ist  das  Werk  der  Zeit.  Man
            
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