Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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türlicher,  als  die  Uebung  der  übrigen  Seelenoperationen. ¬
  Dieses  ist,  wie  ich  glaube,  eine  von
den  Ursachen  vom  Vorzug  der  neuern  Weltweisen
vor  den  Alten.  Eine  so  weise  Sprache,  wie  die
Französische  in  der  Auswahl  der  Figuren  und  der
Wendungen  ist,  mußte  um  so  viel  weiser  in  der
Art  zu  schließen  seyn.
Man  müßte  sich,  um  unsre  Ideen  zu  fixiren,
zwo  Sprachen  denken:  eine,  die  der  Einbildungskraft =
  so  viel  Uebung  schaft,  daß  die  Menschen,  die
sie  sprechen,  unaufhörlich  fabeln:  eine  andre,  die
die  Analyse  in  einem  so  hohen  Grad  übt,  daß  sich
die  Menschen,  denen  sie  natürlich  wäre,  sogar  in
ihren  Vergnügungen  wie  Geometer  betragen,  die
die  Lösung  eines  Problems  suchen.  Wir  könnten
uns  alle  mögliche  Sprachen,  zwischen  diesen  beyden ¬
  Extremitäten  vorstellen,  und  bemerken,  wie
sie,  nach  Maasgabe  der  Extremität,  der  sie  sich
nähern,  verschiedene  Charaktere  annehmen,  und
sich  für  die  Vortheile,  die  sie  an  der  einen  Seite
verlieren,  durch  die  andern  Vortheile  schadlos
halten,  die  sie  an  der  andern  Seite  gewinnen.
Die  vollkommenste  unter  ihnen  würde  das  Mittel =
  halten,  und  das  Volk,  welches  sie  redet,  würde
viele  große  Männer  aufweisen  können.
Hier  könnte  man  mir  den  Einwurf  machen:
wenn  der  Charakter  der  Sprachen  ein  Grund  vom
Vorzug  der  heutigen  Philosophen  vor  den  ältern
Weltweisen  ist;  würde  denn  nicht  daraus  auch  folgen,
daß  die  alten  Dichter  den  Neuern  vorgezogen  werden ¬
  müssen?  Jch  antworte:  Nein.  Die  Analyse
            
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