350
Geschichte der Künste bestätiget diese Bemerkung.
Ich will aber einen Grund davon angeben, der
aus der Natur der Sache selbst hergenommen ist.
Die ersten Wendungen, die in einer Sprache
geläufig werden, sind weder die deutlichsten, noch
die bestimmtesten, noch die schönsten. Nur durch
eine lange Erfahrung können die Menschen zu dieser =
Wahl gehörig angeleitet werden. Die Sprachen =
selbst, die aus den Trümmern mehrerer andrer ¬
Sprachen erwachsen, finden große Hindernisse =
bey ihren Fortschritten. Man findet in den
selben jene Analogie nicht, die die Schriftsteller
aufklärt, und die eine Sprache charakterisiret. So
war die französische Sprache bey ihrer Einführung
beschaffen. Eben deswegen haben die Franzosen
sehr lange nicht in ihrer gemeinen Sprache geschrieben, ¬
und diejenigen, die den ersten Versuch
machten, konnten ihrem Stil keinen kenntlichen
Charakter geben.
§. 147. Wenn man sich erinnert, daß die
Uebung der Einbildungskraft und des Gedächtnisses, ¬
ganz von der Verbindung der Jdeen abhängt, =
und daß dieser Zusammenhang der Jdeen
mittelst der Beziehung und der Analogie der Zeichen
veranstaltet wird: (Theil l. Abschnitt 2. Kap. 3
und 4.) so wird man einsehn, daß je weniger eine
Sprache analoge Wendungen hat, desto weniger
leistet sie dem Gedächtniß und der Einbildungskraft =
Hülfe. Sie taugt also zur Entwickelung
der Talente nicht. Es verhält sich mit den
Sprachen; wie mit den Zeichen der Meßkünstler.
Sie erofnen neue Aussichten, und erweitern den