Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Sprache  zu  lernen.  Ich  sage,  seine  Sprache;  denn
ein  jeder  hat,  nach  Magsgabe  seiner  Leidenschaften,
seine  Sprache.  Ich  nehme  davon  nur  die  kalten
und  pflegmatischen  Menschen  aus,  die  sich  leichter,
nach  der  Sprache  Andrer,  bequemen,  und  die  eben
deswegen  schwerer  zu  erforschen  sind.
Der  Charakter  ganzer  Völker  drückt  sich  noch
deutlicher  aus,  als  der  Charakter  einzelner  Menschen. ¬
  Eine  Menge  kann  sich  nicht  verabreden,
um  ihre  Leidenschaften  zu  verheelen.  Auch  machen ¬
  wir  aus  unserm  Geschmack  eben  kein  Geheimniß, ¬
  wenn  ihn  unsre  Landsleute  mit  uns  gemein =
  haben.  Wir  machen  dagegen  eine  Eitelkeit
daraus;  denn  wir  möchten  gerne,  daß  man  daran
das  Land  erkenne,  in  welchem  wir  gebohren,  und
wofür  wir  beständig  eingenommen  sind.  Alles
dieses  beweiset,  daß  eine  jede  Sprache  den  Charakter ¬
  des  Volks  ausdrückt,  welches  die  Sprache
redet.
§.  144.  So  schließen  z.  B.  die  Ausdrücke,  die
in  den  Ackerbau  hineinschlagen,  im  Lateinischen,
edle  Ideen  in  sich,  die  sie  im  Französischen  nicht
haben.  Der  Grund  davon  ist  leicht  zu  finden.
Wie  die  Römer  den  Grund  zu  ihrem  Reich  legten,
kannten  sie  nur  noch  die  allernöthigsten  Künste.
Sie  schäzten  diese  um  so  viel  höher,  da  sich  ein
jedes  Glied  der  Republick  damit  beschäftigen  mußte,
und  man  gewöhnte  sich  früh,  den  Ackerbau,  und
die  Häupter  des  Volks,  die  ihn  trieben,  mit  demDadurch =
  gesellten  sich
selbigen  Auge  anzusehen.
die  Ausdrücke  dieser  Kunst  solche  Nebenideen  zu,
Diese  edle  Nebeniden
wodurch  sie  veredelt  wurde.
            
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