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Sprache zu lernen. Ich sage, seine Sprache; denn
ein jeder hat, nach Magsgabe seiner Leidenschaften,
seine Sprache. Ich nehme davon nur die kalten
und pflegmatischen Menschen aus, die sich leichter,
nach der Sprache Andrer, bequemen, und die eben
deswegen schwerer zu erforschen sind.
Der Charakter ganzer Völker drückt sich noch
deutlicher aus, als der Charakter einzelner Menschen. ¬
Eine Menge kann sich nicht verabreden,
um ihre Leidenschaften zu verheelen. Auch machen ¬
wir aus unserm Geschmack eben kein Geheimniß, ¬
wenn ihn unsre Landsleute mit uns gemein =
haben. Wir machen dagegen eine Eitelkeit
daraus; denn wir möchten gerne, daß man daran
das Land erkenne, in welchem wir gebohren, und
wofür wir beständig eingenommen sind. Alles
dieses beweiset, daß eine jede Sprache den Charakter ¬
des Volks ausdrückt, welches die Sprache
redet.
§. 144. So schließen z. B. die Ausdrücke, die
in den Ackerbau hineinschlagen, im Lateinischen,
edle Ideen in sich, die sie im Französischen nicht
haben. Der Grund davon ist leicht zu finden.
Wie die Römer den Grund zu ihrem Reich legten,
kannten sie nur noch die allernöthigsten Künste.
Sie schäzten diese um so viel höher, da sich ein
jedes Glied der Republick damit beschäftigen mußte,
und man gewöhnte sich früh, den Ackerbau, und
die Häupter des Volks, die ihn trieben, mit demDadurch =
gesellten sich
selbigen Auge anzusehen.
die Ausdrücke dieser Kunst solche Nebenideen zu,
Diese edle Nebeniden
wodurch sie veredelt wurde.