Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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fruchtbarkeit  oder  ber  Ueberfluß  eines  Landes,  seine
Lage;  das  Verhältniß  des  Interesse  seiner  Bewohner, =
  zum  Interesse  seiner  Nachbaren;  unruhige
Geister,  die  es  stören,  so  lang  die  Regierungsform ¬
  noch  nicht  auf  festen  Gründen  ruht;  besondere ¬
  Menschen,  deren  Imagination  die  Einbildungskraft ¬
  ihrer  Mitbürger  unterjocht;  —  Alles
dieses,  und  noch  viele  andre  Ursachen  tragen  zur
Veränderung  und  bisweilen  zur  gänzlichen  Abänderung ¬
  des  ersten  Geschmacks,  den  eine  Nation
ihrem  Klima  zu  verdanken  hatte,  das  ihrige  bey.
Der  Charakter  eines  Volks  leidet  also  ohngefähr
dieselbigen  Veränderungen,  die  seine  Regierungsform =
  leiden  muß,  und  er  fixirt  sich  nicht  eher,  bis
die  Regierungsform  nicht  feststeht.
§.  143.  So  wie  nun  die  Regierungsform  auf
den  Charakter  der  Völker  Einfluß  hat;  eben  so
hat  der  Charakter  der  Völker,  auf  den  Charakter
ihrer  Sprachen,  Einfluß.  Es  ist  ganz  natürlich,
daß  Menschen,  die  beständig  von  Bedürfnissen  gedrückt =
  werden,  nie  von  Dingen  reden  werden,  ohne
das  Interesse  mit  anzuzeigen,  welches  sie  bey  den
Dingen  haben.  Sie  müssen  unvermerkt  mit  den
Wörtern  gewisse  hinzukommende  Jdeen  verbinden,
die  die  Art,  wie  sie  davon  affizirt  sind,  und  die
Urtheile,  die  sie  darüber  fällen,  bezeichnen.  Diese
Beobachtung  läßt  sich  sehr  leicht  machen.  Denn
es  giebt  fast  keinen  einzigen  Menschen,  dessen  Reden =
  nicht  am  Ende  seinen  wahren  Charakter,  selbst
in  den  Augenblicken,  da  er  ihn  am  meisten  zu  ver
heelen  sucht,  offenbaren  sollten.  Man  darf  einen
Menschen  nur  einige  Zeitlang  studiren,  um  seine
            
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