Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Und  gerade  in  solchen  Zeitaltern,  da  sich  die
Sprachen  die  größten  Schönheiten  eigen  zu  machen
scheinen,  findet  man  die  Epoche  ihres  Verfalls.
Die  Figuren  und  Metaphern  häufen  sich,  und  sie
überladen  die  Schreibart  so  sehr  mit  Zierrathen,
daß  die  Hauptsache  eigentlich  nur  zufällig  zu  seyn
scheint.  Wenn  diese  Periode  einmal  da  ist:  so
kann  man  zwar  den  Verfall  einer  Sprache  etwas
zurückhalten;  aber  hindern  läßt  er  sich  nicht  mehr.
Es  giebt  im  Moralischen,  wie  im  Physischen  einen
höchsten  Grad  des  Wachsthums;  wenn  die  Dinge
diesen  erreicht  haben;  so  kommen  sie  um.
Auf  solche  Weise  sind  die  Figuren  und  die
Metaphern,  die  anfänglich,  der  Nothwendigkeit
wegen  erfunden,  hernach  zu  Mysterien  gebraucht
wurden,  am  Ende,  wie  man  sie  mit  Einsicht  gebrauchen =
  konnte,  die  Zierde  des  Stils  geworden.
Und  auf  diese  Weise  haben  sie,  wie  sie  gemißbraucht
wurden,  den  Sprachen  den  ersten  Stoß  zu  ihrem
Verfall  gegeben.
Funfzehntes  Kapitel.
Vom  Genie  der  Sprachen.
§.  142.  Zwey  Dinge  wirken  zur  Bildung  des
Charakters  der  Völker  mit;  das  Klima  und  die
Regierung.  Das  Klima  giebt  ihm  mehr  Lebhaftigkeit ¬
  oder  mehr  Pflegma;  und  dadurch  wird  das
Volk  mehr  zu  einer  Regierungsform,  als  zu  einer
andern  aufgelegt.  Diese  Dispositionen  verändern ¬
  sich  aber  durch  tausend  Umstände.  Die  Un=
            
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