Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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mitzutheilen  im  Stande  waren,  die  Nothwendigkeit ¬
  neue  Zeichen  zu  erfinden,  um  sie  sowohl  länger =
  fortdauern  zu  machen,  als  auch,  um  sie  abwesenden =
  Personen  bekannt  machen  zu  können*).
Die  Einbildungskraft  stellte  ihnen  damals  nichts
anders  als  dieselbigen  Bilder  vor,  die  sie  schon
mittelst  der  Aktionen  und  mittelst  der  Wörter  ausgedrückt ¬
  hatten,  und  wodurch  die  Sprache  anfänglich =
  figürlich  und  metaphorisch  geworden  war.
Das  natürlichste  Mittel  war,  daß  man  die  Bilder  der
Dinge  selbst  zeichnete.  Um  die  Idee  eines  Menschen ¬
  oder  eines  Pferdes  auszudrücken,  stellte  man
die  Form  des  Menschen  und  des  Pferdes  hin,  und
der  erste  Schriftversuch  war  eine  simple  Malerey.
§.  128.  Wahrscheinlich  hat  die  Malerey  der
Nothwendigkeit  unsre  Gedanken  auf  eine  solche
Weise  zu  zeichnen,  ihren  Ursprung  zu  verdanken,
und  ohne  Zweifel  hat  diese  Nothwendigkeit  zur
Erhaltung  der  Sprache  der  Aktion  mitgewirkt,  indem =
  dieses  die  Sprache  war,  die  am  leichtesten
gemalet  werden  konnte.
§.  129.  Der  aus  dieser  Methode  erwachsenden =
  Unbequemlichkeiten  ungeachtet,  haben  die  aufgeklärtesten =
  Völker  Amerikens  nichts  besseres  zu
Die  weit  sinnreicheren
erfinden  gewußt  *).
doch  beynahe  alles,  was  ich  davon  sage,  aus  seinem
Werk  ausgezogen.
*)  Ich  habe  die  Gründe  davon  im  siebenten  Kapitel
dieses  Abschnitts  angeführt.
**)  Die  Wilden  in  Kanada  haben  auch  noch  jezt  keine
andre  Schrift.
            
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