Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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sionen  einen  Umstand  nach  dem  andern  angeben  sollten: =
  so  würde  es  eine  bloße  Erzehlung  seyn.  Ein
Beyspiel  wird  meinen  Gedanken  in  sein  helles
Licht  stellen.
Nymphae  flebant  Daphnim  exstinctum  funere ¬
  crudeli.  Das  ist  eine  bloße  Erzehlung.  Ich
lerne  daraus,  daß  die  Nymphen  weinten;  daß  sie
den  Daphnis  beweinten;  daß  Daphnis  gestorben,
u.  s.  w.  Da  auf  diese  Weise  ein  Umstand  auf  den
andern  allmälich  folgt:  so  ist  der  Eindruck  nur
sehr  vorübergehend.  Allein,  man  verändere  einmal =
  die  Ordnung  der  Wörter;  man  sage:
Exstinctum  Nymphae  crudeli  funere  Daphnim ¬

Flebant  *).
so  wird  der  Effekt  ganz  verschieden  seyn.  Denn
nachdem  ich  gelesen  exstinctum  Nymphae  crudeli
funere,  ohne  noch  etwas  daraus  zu  lernen:  so
seheich  beym  Wort  Daphnim  den  ersten  Pinselstrich,
bey  flebant  den  zweyten,  und  das  ganze  Gemälde
ist  nun  fertig.  Die  weinenden  Nymphen,  der
sterbende  Daphnis,  die  Folgen,  die  diesen  Tod
begleiten,  rühren  mich  auf  einmal.  So  viel  können ¬
  die  Inversionen  über  die  Einbildungskraft  bewirken. ¬

§.  123.  Endlich  der  lezte  Vortheil,  den  ich
in  dergleichen  Konstruktionen  finde,  ist  dieser,  daß
sie  den  Stil  bestimmter  machen.  Jndem  sie  den
Verstand  angewöhnen,  daß  er  einen  Ausdruck  zu
den  Wörten  zieht,  die  von  demselben  in  dersel*) ¬
  Virgil.  Eclog  V.  vers,  20.
            
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