Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Entfernung  von  einander  herrührt,  scheint  blos
„zur  Uebung  der  Imagination  da  zu  seyn,  und  die
Ideen  sind  nur  deswegen  zerstreuet,  damit  der
Verstand,  der  sie  nun  selbst  sammlen  muß,  die
Verbindung  oder  den  Kontrast  derselben,  mit  mehrerer ¬
  Lebhaftigkeit  empfinden  möge.  Mittelst  dieses ¬
  Kunstgrifs  kann  man  bisweilen  den  ganzen
Nachdruck  einer  Phrase  in  das  Wort  vereinigen,
womit  sie  sich  endiget,  z.  B.
Nec  quicquam  tibi  prodest
Aerias  tentasse  domos,  animoque  rotundum
Percurrisse  polum,  morituro  *).
Dieses  lezte  Wort  (morituro)  schließt  mit  Nachdruck, =
  weil  es  der  Verstand  nicht  auf  tibi  hinziehn ¬
  kann,  worauf  es  doch  eigentlich  geht,  er
laufe  denn  alles  wieder  durch,  was  dazwischen
liegt.  Man  verseze  mortturo  in  die  Ordnung,  die
die  Verbindung  der  Ideen  erheischt;  Nec  quicquam ¬
  tibi  morituro  etc.;  der  Effekt  wird  gewiß
nicht  mehr  derselbige  bleiben;  weil  die  Imagination ¬
  nicht  mehr  so  geübt  wird.  Diese  Arten  von
Inversionen  nehmen  am  Charakter  der  Sprache
der  Aktion  Theil,  in  welcher  bisweilen  ein  einziges
Zeichen  die  Dienste  einer  ganzen  Phrase  that.
§.  122.  Aus  diesem  zweyten  Vortheil  der  Jnversionen =
  erwächst  ein  dritter;  nämlich,  sie  machen
ein  Gemälde  aus;  ich  will  damit  so  viel  sagen:
sie  versammlen  in  ein  einziges  Wort  die  Umstände
einer  Handlung,  ohngefähr,  wie  sie  ein  Maler
auf  die  Leinwand  versammlet.  Wenn  die  Jnver*) =
  Horat.  Lib.  I.  Od.  28.
            
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