Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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schien  sie  kleiner.  Das  hing  ganz  von  den  Erfahrungen ¬
  und  vom  Scharfsinn  ab,  mit  welchem
man  die  Erfahrungen  machte.  Eben  deswegen
mußte  die  Bedeutung  der  Namen  von  Substanzen
nothwendig  sehr  ungewiß  seyn,  und  sie  mußte  eine
Wir
Menge  von  Wortstreitigkeiten  veranlassen.
sind  von  Natur  zu  glauben  geneigt,  daß  Andre
dieselbigen  Ideen  haben,  die  wir  haben;  weil  sie
sich  derselbigen  Sprache  bedienen.  Daher  kömmt's,
daß  wir  oft  der  entgegengesezten  Meynung  zu  seyn
glauben,  wenn  wir  gleich  dasselbige  behaupten.
Man  dürfte  in  dergleichen  Fällen  nur  die  Bedeu
tung  der  Ausdrücke  erklären,  um  den  Streitigkeiten =
  ein  Ende  zu  machen,  und  um  das  Unbedeutende =
  vieler  Fragen  darzustellen,  die  wir  für
wichtig  halten.  Locke  giebt  hiervon  (Buch  III.
Kap.  9.  §.  16.)  ein  Beyspiel,  welches  hier  mit
getheilt  zu  werden  verdient.
„Ich  war,  sagt  er,  einstens  in  einer  Gesellschaft ¬
  von  geschickten  und  einsichtsvollen  Aerzten.
Man  versiel  von  ohngefähr  auf  die  Untersuchung
der  Frage,  ob  der  Saft  durch  die  Nervenfäden  durchDie =
  Meynungen  darüber  waren  getheilt,
gehe.
und  man  stritte  sich  lang.  Ein  jeder  führte  für
seine  Meynung  verschiedene  Gründe  zur  Unterstüzung =
  derselben  an.  Ich  hatte  mir  schon  lange
den  Satz  eingedrückt,  daß  der  größte  Theil  von
Streitigkeiten  mehr  auf  die  Bedeutung  der  Wörter,
als  auf  eine  wirkliche  Verschiedenheit  in  der  Art,
wie  man  sich  die  Dinge  vorstellt,  hinauslaufe.
Jch  bedeutete  also  diesen  Herren;  sie  möchten,  ehe
sie  ihren  Streit  weiter  fortsezten,  vorher  unter¬
            
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