317
schien sie kleiner. Das hing ganz von den Erfahrungen ¬
und vom Scharfsinn ab, mit welchem
man die Erfahrungen machte. Eben deswegen
mußte die Bedeutung der Namen von Substanzen
nothwendig sehr ungewiß seyn, und sie mußte eine
Wir
Menge von Wortstreitigkeiten veranlassen.
sind von Natur zu glauben geneigt, daß Andre
dieselbigen Ideen haben, die wir haben; weil sie
sich derselbigen Sprache bedienen. Daher kömmt's,
daß wir oft der entgegengesezten Meynung zu seyn
glauben, wenn wir gleich dasselbige behaupten.
Man dürfte in dergleichen Fällen nur die Bedeu
tung der Ausdrücke erklären, um den Streitigkeiten =
ein Ende zu machen, und um das Unbedeutende =
vieler Fragen darzustellen, die wir für
wichtig halten. Locke giebt hiervon (Buch III.
Kap. 9. §. 16.) ein Beyspiel, welches hier mit
getheilt zu werden verdient.
„Ich war, sagt er, einstens in einer Gesellschaft ¬
von geschickten und einsichtsvollen Aerzten.
Man versiel von ohngefähr auf die Untersuchung
der Frage, ob der Saft durch die Nervenfäden durchDie =
Meynungen darüber waren getheilt,
gehe.
und man stritte sich lang. Ein jeder führte für
seine Meynung verschiedene Gründe zur Unterstüzung =
derselben an. Ich hatte mir schon lange
den Satz eingedrückt, daß der größte Theil von
Streitigkeiten mehr auf die Bedeutung der Wörter,
als auf eine wirkliche Verschiedenheit in der Art,
wie man sich die Dinge vorstellt, hinauslaufe.
Jch bedeutete also diesen Herren; sie möchten, ehe
sie ihren Streit weiter fortsezten, vorher unter¬