Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

20
In  so  fern  wir,  bey  der  Reslerion  über  diese  Seysationen, ¬
  sie  als  etwas  betrachten,  was  uns  zugehört, ¬
  was  uns  eigen  ist,  in  sofern  haben  wir  sehr
klare  Ideen  davon.  Wenn  wir  sie  aber,  so  zu  sagen, ¬
  von  unserm  Wesen  abreissen,  und  die  Gegenstände ¬
  damit  bereichern  wollen:  so  nehmen  wir  eine
Operation  vor,  von  welcher  wir  keine  Idee  mehr
haben.  Wir  können  sie  den  Objekten  aus  keinem
andern  Grund  beilegen,  als  weil  wir  in  ihnen  etwas ¬
  annehmen  müssen,  was  diese  Sensationen  veranlaßt, ¬
  und  weil  uns  von  der  andern  Seite  diese
Ursache  ganz  unbekannt  ist.
§.  13.  Umsonst  nimmt  man  zu  dunkeln  und  zu
konfusen  Ideen  oder  Sensationen  seine  Zuflucht.
Weltweisen  müssten  eine  solche  Sprache  gar  nicht  reden, ¬
  da  sie  ohnehin  ihre  Ausdrücke  nie  zu  genau
bestimmen  können.  Wenn  man  ein  Gemälde  findet, ¬
  welches  seinem  Urbild  auf  eine  dunkle  oder
konfuse  Weise  ähnlich  ist,  und  nun  diesen  Gedanken ¬
  gehörig  entwickelt:  so  findet  man,  daß  er  so
viel  sagt,  das  Gemälde  ist  dem  Original  in  einigen
Stücken  ähnlich,  in  andern  nicht.  So  verhält  sich
die  Sache  mit  allen  unsern  Perzeptionen.  Das,
was  sie  enthalten,  ist  klar  und  deutlich;  Das  Dunkle =
  und  Undeutliche,  was  man  in  ihnen  finden  will,
kömmt  ihnen  auf  keine  Weise  zu.  Man  kan  von
ihnen  nicht  sagen,  was  sich  von  einem  Portrait  sagen =
  läßt,  daß  sie  nur  zum  Theil  ähnlich  sind.  Eine =
  jede  Perzeption  ist  so  einfach,  daß  alles,  was
mit  ihnen  ein  gewisses  Verhältniß  der  Aehnlichkeit
hätte,  ihnen  im  Ganzen  gleich  seyn  müßte.  Ich
erinnere  also,  daß  die  Redensart  klare  und  deutliche
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer