Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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bald  überzeugen  können,  daß  es  doch  keine  Ausnahme ¬
  macht.
Die  Bedürfnisse  waren  es,  die  den  Menschen
die  ersten  Gelegenheiten  zur  Bemerkung  dessen,  was
in  ihnen  selbst  vorgieng  und  zur  Bezeichnung  desselben =
  durch  Aktion,  Gelegenheit  gaben.  Diese
Beobachtungen  fanden  daher  nur  in  Beziehung
auf  diese  Bedürfnisse  statt,  und  man  unterschied
nicht  mehrere  Dinge  von  einander,  außer  in  so
fern  die  Dinge  selbst  einen  dazu  nöthigten.  Nun
aber  gingen  die  Bedürfnisse  einzig  und  allein  auf
den  Körper.  Daher  bedeuteten  die  ersten  Namen,
die  man  dem,  was  wir  zu  empfinden  vermögen,
gab,  bloß  sinnliche  Verrichtungen.  In  der  Folge
machten  sich  die  Menschen  immer  mehr  und  mehr
mit  den  abgezogenen  Ausdrücken  bekannt;  sie  sezten
sich  in  den  Stand  die  Seele  vom  Körper  zu  unterscheiden, =
  und  die  Operationen  dieser  beyden  Substanzen =
  einzeln  für  sich  zu  betrachten.  Nunmehr
bemerkten  sie,  wenn  man  z.  B.  sagte,  ich  sehe,  nicht
blos  die  Aktion  des  Körpers;  sondern  auch  insbebeschaffen? =
  Waren  sie  kalt  oder  warm,  hart  oder
weich,  wenn  wir  sie  etwa  durchs  Gefühl  erhielten?
Läßt  sich  auf  diese  Fragen  nichts  vernünftiges  antworten: ¬
  so  muß  man  zugestehn,  daß  die  geistigen
Jdeen,  dergleichen  die  Begriffe  von  Wesen  und  Gedanken =
  sind,  ihre  Entstehung  auf  keine  Weise  den
Sinnen  zu  verdanken  haben;  sondern  daß  unsre
Seele  das  Vermögen  hat,  sie  selbst  zu  bilden.
S.  L'Art  de  penser.  Dieser  Einwurf  ist  aus  den  Konfeßionen =
  des  H.  Augustins  genommen.  Ehe  Locke
schrieb,  konnte  er  vielleicht  manchen  verführen.  Jezt
aber  hat  es  gar  nichts  auf  sich.
            
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