Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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der  Ausdruck  Geist,  (Esprit)  kömmt  von  der
Idee  einer  sehr  feinen  Materie,  eines  Dunstes,
eines  Hauches,  der  dem  Auge  unsichtbar  ist;  eine
Idee,  die  sich  viele  Weltweisen  so  sehr  geläufig  gemacht ¬
  haben,  daß  sie  sich  vorstellen,  eine  aus
einer  unzehlbaren  Anzahl  von  Theilen  zusammenJch ¬

gesezte  Substanz  sey  des  Denkens  fähig.
habe  diesen  Irrthum  schon  oben  (Theil  I.  Abschnitt ¬
  1.  Kap.  1.)  widerlegt.
Man  sieht  deutlich  ein,  wie  diese  Namen  bey
ihrer  ersten  Entstehung  gebildet  wurden.  Man
könnte  unter  den  abstraktesten  Ausdrücken  einige
Beyspiele  antreffen,  bey  welchen  diese  Wahrheit
nicht  so  klar  einleuchten  könnte.  Dahin  gehört
das  Wort  Gedanke  *).  Man  wird  sich  indessen
Notionen  derer  errathen,  die  die  Sprache  zuerst  redeten. ¬
  Wir  konnen  ferner  errathen,  von  welcher
Seite  sie  ihrem  Verstand  dargestellt  wurden,  und  wie
die  Natur  den  Menschen,  den  Ursprung  und  das
Prinzipium  aller  ihrer  Kenntnisse,  mittelst  der  Namen ¬
  selbst  zuführte,  die  sie  den  Dingen  gaben.e
*)  Dieses  ist,  meiner  Meynung  nach,  das  schwerste  Beyspiel, =
  welches  man  wehlen  kann.  Es  läßt  sich  aus  einer
Schwierigkeit  davon  urtheilen,  wodurch  die  Cartesianer
diejenigen  auf  Ungereimtheiten  hinauszuführen  geglaubt ¬
  haben,  die  den  Ursprung  aller  unsrer  Kenntnisse
auf  die  Sinne  hinausleiten.  Sie  fragen:  „durch  welchen ¬
  Sinn  sollten  wohl  die  ganz  geistigen  Ideen,  z.
B.  die  Idee,  vom  Gedanke,  und  vom  Wesen,  in
den  Verstand  hineingekommen  seyn?  Sollten  sie
wohl,  wenn  sie  durchs  Gehör  hineintraten,  mittelst
eines  tiefen  oder  hohen  Tons  hineingetreten  seyn?  Geschah =
  es  durch  den  Geruch;  war  dieser  Geruch  angenehm,
oder  widrig?  Oder  durch  den  Geschmack;  wie  war  dieser
            
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