307
als wir: so glaub ich doch nicht, daß gerade die
ses der Grund davon sey.
§. 103. Je gewöhnlicher der Gebrauch abstrakter ¬
Ausdrücke wurde, desto mehr sah man
ein, wie sehr die artikulirten Töne zur Bezeichnung ¬
so gar solcher Gedanken dienlich waren, die
die unmerklichste Beziehung auf sinnliche Gegenstände ¬
haben. Die Einbildungskraft suchte sogar
in solchen Gegenständen, die die Sinne rühren,
Bilder von dem auf, was im Jnnersten der Seele
vorgieng. Da die Menschen beständig Bewegung
und Ruhe bey der Materie wahrgenommen; da sie
den Hang und die Neigung der Körper bemerkt;
da sie gesehn hatten, daß die Luft sich bewegt, sich
trübt und aufklärt, daß die Pflanzen sich entwickeln, =
sich befestigen und schwächen: so sagten sie
nun, die Bewegung, die Ruhe, die Neigung
und der Hang der Seele; sie sagten, die Seele
bewegt sich, betrübt sich, heitert sich auf, entwickelt; =
befestiget, schwächt sich. Endlich begnügte =
man sich auch, wenn man nur irgend eine
Beziehung unter einer Verrichtung der Seele und
unter einer Aktion des Körpers wahrnahm, um
beyden denselbigen Namen zu geben ). Selbst
*) „Jch zweiste gar nicht, sagt Loke, (Buch III.
Kap. 1. §. 3.) daß wir, wenn wir alle Wörter bis zu
ihrer ersten Quelle zurückführen könnten, nicht finden =
sollten, daß in allen Sprachen diejenigen Ausdrücke, ¬
die man zur Bezeichnung solcher Gegenstände, ¬
die nicht in die Sinne fallen, gebraucht, ihren
ersten Ursprung nicht von sinnlichen Ideen haben
sollten. Daraus können wir die Beschaffenheit der