Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Wenn  man  sich  die  Ordnung,  in  welcher  die
abstrakten  Ausdrücke  erfunden  worden  sind,
vorstellen  will:  so  darf  man  nur  auf  die
Ordnung  der  allgemeinen  Jdeen  merken.  Der
Ursprung  und  der  Fortgang  ist  derselbige  bey
beyden.  Jch  will  hiemit  so  viel  sagen;  wofern
die  allerallgemeinsten  Notionen  zuverläßig  aus
Ideen  entstehn,  die  wir  mittelst  der  Sinne  erhalten: ¬
  so  ist  es  eben  so  gewiß,  daß  die  abstraktesten
Ausdrücke  von  den  ersten  Namen  herkommen,  die
man  den  sinnlichen  Gegenständen  gegeben  hat.
Die  Menschen  ziehen,  so  viel  ihnen  möglich
ist,  ihre  leztern  Kenntnisse  auf  andre,  die  sie  sich
schon  erworben  haben.  Dadurch  verbinden  sich
die  weniger  geläufigen  Jdeen  mit  den  Begriffen,
die  uns  geläufiger  sind,  wodurch  das  Gedächtniß
und  die  Einbildungskraft  eine  große  Beyhülfe  erhält. ¬
  Wenn  demnach  die  Umstände  die  Bemerkung =
  neuer  Gegenstände  veranlaßten:  so  suchte
man  auf,  was  sie  mit  den  bekannten  Gegenständen =
  gemein  hatten.  Man  brachte  sie  in  dieselbige
Klasse,  und  dieselbigen  Namen  dienten  zur  Bezeichnung =
  beyder.  Auf  solche  Weise  wurden  die
Jdeen  der  Zeichen  allgemeiner.  Das  geschah  aber
nur  mit  nach  und  nach.  Man  stieg  zu  den  abstraktesten ¬
  Notionen  nur  stufenweise  empor,  und
nur  sehr  spät  hatte  man  die  Ausdrücke:  Essenz  Substanz =
  und  Ding.  Es  giebt  ohne  Zweifel  noch
Völker,  die  ihre  Sprache  mit  denselben  noch  nicht
bereichert  haben)  Wenn  sie  unwissender  sind,
)  Dieses  bestätigt  Herr  de  la  Condamine  in  seiner
Reisebeschreibung.
            
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