Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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nach  dem  Modell  der  Lateinischen  gebauet  worden:
weil  sie  verschiedene  Endigungen  gestatten;  und
zum  Theil  nach  dem  Modell  der  Ordnung,  worinnen =
  wir  heut  zu  Tage  unsre  Ideen  stellen;  denn
die  Artikel  ,  die  Zeichen  des  Numerus,  Kasus  und
Genus  werden  vor  die  Nomina  gestellt.
Mir  scheint  es,  die  Vergleichung  der  französischen ¬
  Sprache  mit  der  lateinischen  mache  meine
Vermuthungen  wahrscheinlich  genug,  und  man
habe  Grund  zu  glauben,  daß  sie  sich  von  der  Wahrheit =
  wenig  entfernen  würden,  wenn  man  bis  auf
eine  erste  Sprache  zurückgehn  könnte.
§.  100.  Die  lateinischen  Konjugationen  und
Deklinationen  haben  vor  den  Französischen  den
Vorzug  der  Mannigfaltigkeit  und  der  Präzision.
Durch  den  häufigen  Gebrauch,  den  die  Franzosen
von  den  Hülfsverben  und  den  Artikeln  machen  müssen, =
  wird  ihr  Stil  weitschweifig  und  gedehnt.  Das
leuchtet  um  so  viel  deutlicher  ein,  da  sie  ihre  Skrupulosität ¬
  bis  zur  unnöthigen  Wiederholung  der  Artikel =
  hinauftreiben.  Sie  sagen  z.  B.  nicht:  c'est
le  plus  pieux  et  plus  scavant  homme,  que  je
connoisse;  sondern  sie  sagen:  c'est  le  plus  pieux
et  le  plus  sgavans,  etc.  Noch  mehr;  uns  mangeln, ¬
  wegen  der  Natur  unsrec  Deklinationen,  diejenigen ¬
  Namen,  die  die  Grammatiker  Komparativen ¬
  nennen.  Wir  ersezen  sie  durch  das  Wort
plus,  welches  eben  so  oft  wiederholt  werden  muß,
als  der  Artikel.  Da  die  Konjugationen  und  Deklinationen ¬
  diejenigen  Theile  der  Rede  sind,  die
am  häufigsten  vorkommen:  so  ist  damit  zugleich
            
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