Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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§.  89.  Ueber  den  Ausdruck  seyn  (etre)  läßt
sich  dieselbige  Anmerkung  machen.  Dieses  Wort
drückt  das  Participium  des  Worts  aus,  dem  es  zugesellet ¬
  wird;  und  zwar  sagt  es  bisweilen  eben  so
viel,  als  ein  Verbum  paßivum,  bisweilen  aber
so  viel  als  das  zusammengesezte  Präteritum  eines
Aktivums  oder  Neutrums.  Jn  den  Phrasen:  Je.
suis  aime,  je  m  étois  fait  fort,  je  serois  parti,
drückt  anmné  den  Zustand  des  Leidens;  fait  und
parti  den  Zustand  des  Handlens  aus;  suis,  étois
und  serois  aber  bezeichnen  blos  das  Tempus,  den
Diese  Arten  von
Modus  und  den  Numerus.
Wörtern  waren  in  den  lateinischen  Konjugationen
von  geringem  Nuzen,  und  sie  wurden,  wie  in  den
ersten  Sprachen,  d.  i.  nach  dem  Verbum  konstruiret. =

§.  90.  Weil  die  Franzosen  zur  Bezeichnung
des  Modus  und  des  Numerus  Ausdrücke  haben,
die  sie  vor  das  Verbum  sezen:  so  könnten  sie  sich,
wenn  sie  sie  hinter  das  Verbum  stelleten,  ein  Modell =
  von  den  Konjugationen  der  ersten  Sprachen
machen.  So  würde  z.  B.  statt  je  suis  aimé,  j'étois -
  aimé  etc.  herauskommen  aimésuis,  aimétois -
  etc.
§.  91.  Die  Menschen  vervielfältigten  die  Wörter =
  nicht  ohne  Noth,  besonders  wie  sie  anfingen,
sich  derselben  zu  bedienen.  Es  kostete  sie  zu  viel,
sie  zu  erfinden,  und  zu  behalten.  Dasselbige  Nomen, =
  welches  das  Zeichen  eines  Tempus  oder  eines =
  Modus  war,  wurde  folglich  hinter  ein  jedes
Verbum  gesezt.  Daraus  folgt,  daß  jede  Muttersprache =
  anfänglich  nur  eine  einzige  Konjugation
            
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