200
die Art, wie ich jezt davon rede, nicht etwas vom
Ton hat, der seit einiger Zeit in Frankreich angenommen ¬
worden ist.
§. 79. Wie sich die dichterische Schreibart und
die gewöhnliche Sprache von einander entfernten,
blieb ein Mittelding zwischen ihnen, woraus die Beredsamkeit =
erwuchs, die sich, zum Theil dem Ton der
Poesie, zum Theil dem gesellschaftlichen Ton zu nähern
suchte. Vom leztern ist sie nur darinnen unterschieden, =
daß sie alle Ausdrücke, die nicht edel genug sind,
verwirft; und von jenem geht sie nur darinnen ab,
daß sie nicht, wie die Poesie dem Zwang des Versmaaßes ¬
unterworfen ist, und daß man ihr, nach
dem Charakter der Sprachen, den Gebrauch gewisser =
Figuren und gewisser Wendungen nicht verstattet, =
die man in der Poesie wohl duldet. Sonst
vermischen sich diese beyden Wissenschaften bisweilen =
so sehr, daß man sie nicht mehr von einander
unterscheiden kann.
Neuntes Kapitel.
Von den Wörtern.
Jch konnte meine Betrachtungen über die Kunst
des Gestus, des Tanzes, der Prosodie, der Deklamation, =
der Musik und der Poesie nicht unterbrechen.
Dieses alles hängt zu sehr mit einander und mit der
Sprache des Handlens, die das Prinzipium ist, zusammen. ¬
Nun will ich die Fortschritte untersuchen,
wodurch sich die Sprache der artikulirten Töne
hat vervollkommnen, und wodurch sie endlich die
bequemste von allen Sprachen hat werden können.