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§. 76. Aus dem Genie der ersten Sprachen
läßt sich auf den Stil der ersten Poesien schließen.
Fürs erste war es sehr gewöhnlich, daß man
sich einige Wörter hinzudenken mußte. Das Hebräische ¬
ist ein Beweis davon. Der Grund aber
ist folgender:
Die von der Nothwendigkeit eingeführte Gewohnheit, =
die Sprache des Handelns und der
artikulirten Töne untereinander zu mischen, erhielt ¬
sich noch lange, nachdem diese Nothwendigkeit
schon wegfiel, besonders bey Völkern mit sehr lebhafter =
Einbildungskraft, wie z. B. bey den Morgenländern. =
Daher kam es, daß man sich, so
lang ein Wort noch neu war, gleich gut verstand, ¬
man mochte das Wort gebrauchen, oder
man mochte es nicht hinsezen. Man ließ es also,
um seinen Gedanken lebhafter auszudrücken, oder
um ihn in ein Versmaas zu bringen, absichtlich
weg. Diese Licenz wurde um so eher geduldet, da
die Poesie, die zum Singen bestimmt war, aber
noch nicht geschrieben werden konnte, der Ton
und der Gestus, das ausgelassene Wort ersezten.
Wie aber, durch einen langen Gebrauch, ein Name ¬
das natürlichste Zeichen einer gewissen Jdee geworden =
war: so konnte man es nicht mehr leicht
ersezen. Daher findet man, wenn man von den
alten Sprachen zu den neuern herabgeht, daß die
Gewohnheit, Wörter hinzudenken, immer mehr
und mehr abnimmt. Die französische Sprache
verwirft diese Gewohnheit selbst so sehr, daß man
bisweilen sagen könnte, sie seze in unsern Scharfsinn =
ein Mißtrauen.