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mehr bedürfen wir Führer, und desto geneigter =
sind wir zu glauben, daß diejenigen, die vor
uns gekommen sind, alles, was sie gemacht haben, ¬
gut gemacht, und daß uns nicht mehr
Jahrhunübrig =
bleibe, als sie nachzuahmen.
derte mußten vergehn, wenn wir von diesem
Vorurtheil befreyet werden sollten.
Was die Vernunft nicht ausrichten kann, bewirkt =
die Zeit und Umstände; freylich oft so, daß
sie uns in entgegengesezte Vorurtheile stürzen.
Diese Betrachtung läßt sich auch bey der Poesie
und der Musik anstellen. Nachdem die französische =
Prosodie so simpel geworden war, wie sie
noch heute ist: so wurden diese beyden Künste so
sehr von einander abgesondert, daß der Vorschlag,
sie auf einer Bühne wieder zu vereinigen, aller
Welt lächerlich geschienen, und daß er noch den
meisten so scheint, die der Aufführung solcher
Stücke doch ihren Beyfall nicht versagen.
§. 75. Aus dem Gegenstand der ersten Poesien
können wir ihren Charakter abnehmen.
Sehr
wahrscheinlich wurden die Religion, die Geseze
und die Heroen aus keinem andern Grund besungen, =
als um in den Bürgern die Empfindungen ¬
der Liebe, der Bewunderung und der Nacheiferung =
rege zu machen. Dieses geschah in den Psalmen, =
Liedern, Oden und Lobgesängen. Nur
später hat man die epischen und die dramatischen
Gedichte kennen gelernt. Man hat ihre Erfindung ¬
den Griechen zu verdanken. Man hat die
Geschichte derselben schon so oft beschrieben, daß
sie jedermann bekannt seyn muß.