Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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ihre  Verehrung  der  Geseze,  der  Religion  und  großer
Menschen,  die  sie  in  ihren  Gesängen  rühmte,  auf
die  Musik,  die  die  Tradition  dieser  Dinge  erhielt.
§.  73.  Wie  die  Prosodie  und  der  Stil  einfacher ¬
  wurde,  entfernte  sich  die  Prose  immer  mehr
und  mehr  von  der  Poesie.  Auf  der  andern  Seite
hingegen  that  der  Verstand  Fortschritte,  und  die
Poesie  erschien  mit  neuen  Bildern.  Dadurch  wich
sie  von  der  gewöhnlichen  Sprache  ab;  sie  wurde  der
Fassung  des  Volks  weniger  angemessen,  und  zum
Unterricht  weniger  geschickt.
Noch  mehr,  die  Fakta,  die  Geseze  und  alles,
was  die  Menschen  wissen  mußten,  vervielfältigten
sich  so  sehr,  daß  das  Gedächtniß  für  eine  solche
Last  zu  schwach  wurde.  Die  Gesellschaften  vergrößerten =
  sich  zu  einem  so  hohen  Grad,  daß  die
Bekanntmachung  derselben  nur  äusserst  schwer  an
alle  Bürger  gelangen  konnte.  Man  mußte  also,
um  das  Volk  zu  unterrichten,  zu  einem  neuen
Mittel  seine  Zuflucht  nehmen.  Nun  erfand  man
die  Schrift.  Ich  werde  im  dreyzehenten  Kapitel
dieses  Abschnitts  die  Fortbildung  derselben  untersuchen. ¬

Bey  der  Entstehung  dieser  Kunst  fingen  Poesie
und  Musik  an,  ihren  Gegenstand  zu  verändern.
Sie  theilten  sich  unter  das  Nüzliche  und  unter  das
Angenehme,  und  sie  beschränkten  sich  zulezt  fast
ganz  auf  Dinge,  die  blos  auf  das  Angenehme
giengen.  Je  weniger  sie  dadurch  nothwendig
wurden,  desto  mehr  suchten  sie  die  Gelegenheiten,
um  nur  mehr  zu  gefallen,  und  beyde  thaten  beträchtliche =
  Fortschritte.
            
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