Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Menschen  und  der  Dienste,  die  sie  der  Gesellschaft
geleistet  hatten,  dienten.  Nichts  war  dazu  taug
licher,  als  Poesie  und  Musik,  oder  besser,  dies
war  das  einzige  Mittel,  dessen  man  sich  bedienen
konnte,  weil  die  Schrift  noch  nicht  erfunden  war.
Alle  Monumente  des  Alterthums  beweisen  es,  daß
diese  Künste,  bey  ihrer  Entstehung,  zum  Unterricht =
  der  Völker  bestimmt  wurden.  Die  Gallier
und  die  Germanier  gebrauchten  sie  zur  Erhaltung
ihrer  Geschichte  und  ihrer  Geseze;  und  bey  den
Aegyptiern  und  den  Hebräern  machten  sie  gewisser
Maaßen  einen  Theil  der  Religion  aus.  Eben
deswegen  machten  die  Alten  in  ihrer  Erziehungskunst ¬
  das  Studium  der  Musik  zum  Hauptobjekt;
wenn  man  nämlich  diesen  Ausdruck  in  der  weitläuftigen ¬
  Bedeutung  nimmt,  die  sie  ihm  geben.
Die  Römer  hielten  dafür,  die  Musik  sey  jedem
Alter  nothwendig;  denn  sie  fanden,  sie  lehre  gerade ¬
  das;  was  die  Kinder  lernen,  so  wie  auch
das,  was  erwachsene  Menschen  wissen  müssen.  Den
Griechen  schien  die  Unbekanntschaft  mit  der  Musik
so  schimpflich,  daß  ein  Musiker  und  ein  Gelehrter
bey  ihnen  einerley  Ding  war,  und  daß  sie  in  ihrer
Sprache  einen  Ignoranten  mit  dem  Namen  eines
Menschen  bezeichneten,  der  keine  Musik  versteht.
Diese  Nation  glaubte  nicht,  daß  diese  Kunst  von
Menschen  erfunden;  sondern  sie  stellte  sich  vor,  sie
habe  ihre  Instrumente  von  den  Göttern  erhalten,
wodurch  sie  eben  noch  mehr  in  Erstaunen  gesezt
wurde.  Da  sie  eine  stärkere  Einbildungskraft
hatte,  als  wir:  so  war  sie  gegen  Harmonie  auch
ungleich  empfindlicher,  als  wir.  Sie  übertrug
            
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