Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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ten  Nationen  entwickelt  hat.  Diese  Künste,  die
zur  Nahrung  des  Luxus  in  unsern  Städten  heut
zu  Tage  bestimmt  sind,  sind  schon  so  weit  von
ihrem  ersten  Ursprung,  daß  man  diesen  nur  mit
Mühe  auffinden  kann.
§.  71.  Die  genaue  Verbindung  dieser  Künste,
bey  ihrer  Entstehung,  ist  der  wahre  Grund,  um
welches  Willen  sie  die  Alten  alle  unter  einen  generischen ¬
  Namen  zusammengefaßt  haben.  Bey
ihnen  begreift  der  Ausdruck  Musik  nicht  blos  die
Kunst,  die  er  in  unsrer  Sprache  anzeiget,  sondern
auch  die  Kunst  des  Gestus,  den  Tanz,  die  Poesie
und  die  Deklamation.  Diesen  vereinigten  Künsten
muß  man  demnach  die  meisten  Effekte  ihrer  Musik
zuschreiben;  und  dann  können  sie  einem  auch  nicht
mehr  so  wunderbar  vorkommen  ).
§.  72.  Man  sieht  deutlich  ein,  welches  wohl
der  Gegenstand  der  ersten  Poesien  mochte  gewesen
seyn.  Die  Menschen  konnten  sich,  bey  der  ersten
Aufrichtung  der  Gesellschaften,  noch  nicht  mit
Dingen  beschäftigen,  die  blos  zum  Vergnügen  dienen, ¬
  und  die  Bedürfnisse,  die  sie  dazu  bewegten,
sich  in  Gesellschaften  zusammenzuthun,  schränkten
ihre  Blicke  blos  auf  das  ein,  was  ihnen  nüzlich
oder  nothwendig  seyn  konnte.  Daher  wurden
Poesie  und  Musik  nur  in  so  fern  kultivirt,  in  so
fern  sie  zur  Bekanntmachung  der  Religion  und  der
Geseze  und  zur  Erhaltung  des  Andenkens  großer
*)  Man  erzehlt  z.  B.,  Tepanders  Musik  habe  einen
Aufruhr  besänftiget.  Diese  Musik  aber  war  nicht
Es  waren  Verse,  die  dieser
ein  bloßer  Gesang.
Dichter  deklamirte.
            
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