Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

280
malt,  würde  zu  schwach  gewesen  seyn,  um  unmittelbar ¬
  auf  die  handelnde  Sprache  zu  folgen.  Diese
Sprache  war  der  Roheit  des  Verstandes  so  proportionirt, ¬
  daß  die  artikulirten  Töne  sie  nicht  ersezen ¬
  konnten,  wofern  man  nicht  die  Ausdrücke
auf  einander  häufte.  Selbst  der  kleine  Vorrath
von  Wörtern  einer  Sprache  gestattete  es  nicht,
daß  man  anders  hätte  reden  können.  Da  diese
Sprachen  selten  den  eigentlichen  Ausdruck  an  die
Hand  geben:  so  konnte  man  das  Errathen  eines
Gedankens  nicht  anders,  als  durch  die  Wieder
holung  der  Ideen,  möglich  machen,  die  jenem
Gedanken  am  ähnlichsten  waren.  Dies  ist  der
Ursprung  des  Pleonasmus,  eines  Fehlers,  den
man  vorzüglich  in  den  alten  Sprachen  bemerken
muß.  Im  Hebräischen  sind  auch  die  Beyspiele
davon  wirklich  sehr  häufig.  Nur  sehr  allmälig
gewöhnte  man  sich,  Ideen  an  ein  einziges  Wort  zu
knüpfen,  die  vorher  nur  mittelst  sehr  zusammengesezter ¬
  Bewegungen  ausgedruckt  wurden;  und
man  vermied  weitschweifige  Expreßionen  nicht  eher,
als  da  die  Sprachen  reicher  wurden,  und  Ausdrücke
an  die  Hand  gaben,  die  zum  Ausdruck  aller  Ideen,
deren  man  benöthiget  war,  dienten.  Die  nordischen ¬
  Vöiker  überkamen  die  Präzision  der  Schreibart
am  frühesten.  Wegen  ihres  kalten  und  pflegmatischen =
  Temperaments  ließen  sie  sehr  leicht  alles
fahren,  was  der  handelnden  Sprache  zuwider  war.
Uebrigens  erhielten  sich  die  Einflüsse  dieser  Art  von
Mittheilung  seiner  Gedanken  lange.  Noch  heut
zu  Tage  wird  der  Pleonasmus  im  südlichen  Asien
für  eine  Schönheit  der  Rede  gehalten.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer