Object : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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sie  wirklich  war;  wenn  sich  nicht  die  ganze  Versammlung, ¬
  von  welcher  das  Volk  ein  Theil  war,
gegen  eine  solche  unrichtige  Aussprache  empören
sollte.
Dergleichen  Fakta  können  wir  nicht  ohne  alle
Verwunderung  lesen;  weil  wir  bey  uns  nichts
wahrnehmen,  was  diese  Thatsachen  bestätigen
sollte.  Das  rührt  davon  her,  daß  die  Aussprache
der  Vornehmeren  heut  zu  Tage  so  simpel  ist,  daß
nur  sehr  wenige  Personen  diejenigen,  die  gegen
diese  Aussprache  verstossen,  tadeln  können;  weil
sich  nur  sehr  wenige  jene  Aussprache  geläufig  gemacht ¬
  haben.  Bey  den  Römern  hingegen  war  sie
so  charakteristisch;  der  Numerus  derselben  war  so
bemerkbar,  daß  auch  das  stumpfere  Ohr  darinnen:
geübt  war.  Was  also  der  Harmonie  zuwider
war,  mußte  das  Ohr  nothwendig  beleidigen.
§.  65.  Jch  will  meine  Muthmaaßungen  fortsetzen. =
  Wenn  die  Römer  empfindlicher  gegen  die
Harmonie  waren,  als  die  Franzosen:  so  mußten
die  Griechen  noch  empfindlicher  seyn,  als  die  Römer, ¬
  und  die  Asiater  abermals  empfindlicher,  als
die  Griechen.  Denn  je  älter  die  Sprachen  sind,
desto  mehr  muß  sich  ihre  Prosodie  dem  Gesang
nähern.  Auch  daraus  läßt  sich  muthmaaßen,
daß  das  Griechische  harmonischer  war,  als  das
Latein,  weil  jenes  diesem  die  Accente  lieh.  Was
die  Asiater  betrift:  so  suchten  diese  die  Harmonie
mit  einer  solchen  Affektation  auf,  die  die  Römer
für  ausschweifend  hielten.  Cicero  zielet  hierauf.
Nachdem  er  diejenigen  getadelt,  die  um  ihre  Reden ¬
  taktmäßiger  zu  machen,  alles  wieder  durch
            
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