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Ohr nie eine vollkommene Ruhe wahrnehme, außer
wenn der Verstand völlig befriedigt ist.
§. 63. Um wie viel näher die Prosodie der
Römer an diesen Punkt der Vollkommenheit hinaufrückte, ¬
wird sich daraus am besten abnehmen
lassen; wenn man das Erstaunen bedenkt, womit
Cicero vom oratorischen Numerus redet.
stellt das Volk vor, wie es in Verwunderung,
beym Ausgang der Perioden, hingerissen wurde;
er verändert, um zu zeigen, daß der Numerus die
einzige Ursache davon war, die Ordnung der
Wörter einer Periode, der die Zuhörer großen
Beyfall gegeben hatten, und er versichert, man
fühle es sogleich, daß die Harmonie verschwinde.
Der leztere Bau dieser Periode hatte weder in der
Mischung der langen und der kurzen Sylben, noch
in der Mischung der Accente die Ordnung, die zur
Befriedigung des Ohres erforderlich war *). Die
französische Sprache hat Annehmlichkeit und Rundung; ¬
allein zur Harmonie gehört noch etwas
mehr. Ich finde nicht, daß unsre Redner, in
ihren verschiedenen Wendungen, etwas den Kadenzen ¬
ähnliches angebracht hätten, die die Römer
so mächtig rührten.
§. 64. Ein andrer Grund, der die Vorzüge
der lateinischen Prosodie vor der französischen beweiset, ¬
ist der Geschmack der Römer an der Harmonie ¬
und die Delikatesse des Volks selbst in diesem ¬
Stück. Kein Schauspieler konnte in einem
Vers eine Sylbe länger oder kürzer machen, als
) De Oratore,