Volltext : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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Siebendes  Kapitel.
Welches  ist  die  vollkommenste  Prosodie?
§.  62.  Ohne  Zweifel  wird  jeder  geneigt  seyn,
die  Frage  zum  Vortheil  der  Prosodie  seiner  eignen
Wir  wollen  uns,  um
Sprache  zu  beantworten.
uns  gegen  dieses  Vorurtheil  zu  sichern,  bestimmte
Begriffe  zu  machen  suchen.
Die  vollkommenste  Prosodie  ist  diejenige,  die,
durch  ihre  Harmonie,  zum  Ausdruck  aller  Arten
von  Charakteren  am  geschicktesten  ist.  Nun  aber
tragen  drey  Stücke  das  ihrige  zur  Harmonie  bey;
die  Beschaffenheit  der  Töne;  die  Intervalle,  in
welchen  sie  auf  einander  folgen,  und  die  taktmäßige
Bewegung.  Eine  Sprache  muß  demnach  sanfte,
weniger  sanfte,  harte,  kurz,  alle  Arten  von  Tönen
haben;  sie  muß  Accente  besitzen,  die  die  Stimme
zum  Erhöhen  und  zum  Nachlassen  bestimmen;  und
sie  muß  endlich  durch  die  Ungleichheit  ihrer  Sylben
alle  Arten  von  taktmäßiger  Bewegung  ausdrücken
können.
Der  Schluß  der  Perioden  darf,  um  der  Harmonie =
  willen,  nicht  als  gleichgültig  angesehn
werden.  Es  giebt  Momente,  wo  sie  fortlaufen;
es  giebt  wiederum  andre,  wo  sie  durch  eine  bemerkbare ¬
  Ruhe  schließen  muß.  In  einer  Sprache
also,  deren  Prosodie  vollkommen  ist,  muß  die
Folge  der  Töne  dem  Schluß  einer  jeden  Periode1
dergestalt  untergeordnet  seyn,  daß  die  Kadenzen
mehr  oder  weniger  präzipitirt  seyn,  und  daß  das
            
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