Full text : Condillac, Etienne Bonnot: Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis

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selben  erforderlich  wäre.  Man  würde  die  Deklamation =
  in  Lulli's  Reritativen  noch  ungleich  leichter ¬
  bemerken,  wenn  er  weniger  Musik  in  dieselben
gebracht  hätte.  Man  kann  daher  mit  Grund
glauben,  daß  dieses  eine  große  Hülfe  für  diejenigen ¬
  seyn  würde,  die  einige  Dispositionen  zum  guten
Deklamiren  haben.
§.  61.  Nicht  in  einer  jeden  Sprache  weicht
die  Prosodie  gleich  stark  vom  Gesang  ab.
Sie
sucht  die  Accente  mehr  oder  weniger  auf;  sie  verschwendet ¬
  sie  sogar  im  höchsten  Grab,  oder  vermeidet =
  sie  auch  ganz.  Denn  Völker  verschiedener
Klimate  können,  wegen  der  Verschiedenheit  ihrer
Temperamente,  nicht  auf  einerley  Art  empfinden.
Eben  deswegen  erheischen  die  Sprachen,  nach
Maasgabe  ihres  Charakters,  verschiedene  Arten
von  Deklamation  und  Musik.  Man  sagt,  z.  B.
der  Ton,  wodurch  der  Engländer  den  Zorn  ausdrückt, ¬
  sey  in  Jtalien  der  Ton  des  bloßen  Erstaunens. =

Die  Größe  der  Bühnen;  die  Kosten,  die  Griechen ¬
  und  Römer  auf  die  Dekoration  verwendeten;
die  Masken,  die  jeder  Person  gerade  die  Physiognomie ¬
  gaben,  die  ihr  Charakter  erforderte;  die  Deklamation, ¬
  die  ihre  festen  Regeln  hatte,  und  die
eines  weit  stärkern  Nachdrucks  fähig  war,  als  die
unsrige;  alles  scheint  den  Vorzug  der  alten  Schauspiele ¬
  zu  beweisen.  Zur  Schadloshaltung  haben
wir  die  Grazien,  den  Ausdruck  des  Gesichts,  und
einige  Feinheiten  des  Spiels,  die  blos  bey  unsrer
Art  zu  deklamiren,  empfindbar  seyn  können.
            
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