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§. 58. Wenn unsre Deklamation schon nicht,
wie der Gesang eine Folge von abgebrochenen
Tönen enthält: so drückt sie doch die Empfindungen ¬
der Seele lebhaft genug aus, um diejenigen
zu erschüttern, denen sie geläufig ist, oder die
eine Sprache reden, deren Prosodie nicht sehr
mannigfaltig noch lebendig ist. Sie bringt diese
Wirkung wahrscheinlich aus dem Grund hervor,
weil die Töne in derselbigen ohngefähr dieselbigen
Verhältnisse haben, die der Gesang hat.
Ich
sage mit Fleiß, ohngefähr; denn da ihre Töne
nicht abgebrochen sind: so können ihre Aehnlichkeiten =
auch nicht ganz genau seyn.
Unsre Deklamation ist demnach natürlicher
Weise weniger Ausdrucksvoll, als die Musik. Jn
der That, welches ist wohl der zum Ausdruck
einer Seelenempfindung tauglichste Ton? Es ist
erstlich der Ton, der den Laut nachahmt, der das
natürliche Zeichen der Empfindung war. Dieser
gehört der Deklamation und der Musik gemeinschaftlich ¬
zu. Es sind ferner die Töne, die mit
diesem ersten harmonisch sind; weil sie nahe mit
ihm verwandt waren. Endlich sind es alle Töne,
die aus dieser Harmonie erzeugt werden können,
und die nach dem Takt, der jede Leidenschaft
charakterisirt, abändern, und sich kombiniren.
Denn eine jede Empfindung der Seele bestimmt
gerade den Ton und den Gang des Gesangs, der
zum Ausdruck desselben am aufgelegtesten ist. Diese
beyden leztern Arten von Tönen kommen in unsrer
Deklamation selten vor; sie ahmt übrigens auch
Condillac.